Inhalt

Kommunale Gesundheits- und Pflegekonferenz zeigt positive Entwicklungen und klare Aufgaben für die Zukunft

Die Kommunale Gesundheits- und Pflegekonferenz des Landkreises Tuttlingen zeigt ein insgesamt positives Bild der regionalen Gesundheits- und Pflegeversorgung und benennt zugleich die Herausforderungen der kommenden Jahre. 

Unter dem Titel „Menschen im Blick – Versorgung, Gesundheit und Pflege gemeinsam gestalten“ kamen am 10. Juli 2026 in Emmingen-Liptingen Vertreterinnen und Vertreter aus Gesundheitswesen, Pflege, Ärzteschaft, Kommunen und Politik zusammen.

„Gesundheit und Pflege sind zentrale Bestandteile der Daseinsvorsorge. Die Zukunft unserer Versorgung entscheidet sich vor allem vor Ort – in unseren Städten und Gemeinden und in funktionierenden Netzwerken“, betonte Landrat Stefan Bär.

Ein Schwerpunkt der Konferenz war die Pflege. Im Landkreis Tuttlingen leben rund 8.000 Menschen mit Pflegegrad, etwa 90 Prozent werden zu Hause versorgt – überwiegend durch Angehörige und ambulante Dienste. „Diese Menschen und ihre Familien brauchen verlässliche Unterstützung und gut funktionierende Angebote vor Ort“, so Bär.

Der hausärztliche Versorgungsgrad ist nach Angaben der Kassenärztlichen Vereinigung Baden-Württemberg von 79,9 Prozent im Jahr 2022 auf aktuell 91,3 Prozent gestiegen. Diese Entwicklung ist dem Engagement vieler Beteiligter zu verdanken. „Das Klinikum, die niedergelassene Ärzteschaft, die Bürgermeisterinnen und Bürgermeister sowie zahlreiche weitere Akteure haben sich in den vergangenen Jahren mit großem Einsatz dafür starkgemacht, die medizinische Versorgung in unserer Region zu sichern und weiterzuentwickeln“, erklärte Sozialdezernent Bernd Mager. Gleichzeitig bleibe die Sicherung der hausärztlichen Versorgung angesichts zahlreicher bevorstehender Praxisnachfolgen eine wichtige Aufgabe.

Auch die fachärztliche Versorgung ist insgesamt gut. In den Fachgruppen Augen-, Frauen-, Hals-Nasen-Ohren-, Haut- und Nervenheilkunde sowie Chirurgie, Kinder- und Jugendmedizin, Orthopädie, Psychotherapie und Urologie liegt der Versorgungsgrad bei über 120 Prozent, bei den Augenärzten sogar bei knapp 140 Prozent. Eine freie Neuniederlassung ist damit grundsätzlich nicht möglich. Dennoch weist Sylvia Broschk, Geschäftsführerin der Kommunalen Gesundheits- und Pflegekonferenz, darauf hin, dass rechnerisch gute Versorgungsgrade nicht automatisch kurze Wartezeiten bedeuten.

Erfreulich ist zusätzlich zur guten Versorgungssituation, dass die Ärztinnen und Ärzte in den Facharztgruppen der Augenärzte, Hautärzte und Chirurgen im Landkreis Tuttlingen im Durchschnitt jünger sind als die jeweiligen Facharztgruppen in Baden-Württemberg. Damit weist der Landkreis auch bei der Altersstruktur eine vergleichsweise gute Ausgangslage für die zukünftige Sicherung der fachärztlichen Versorgung auf.

Hans Ballmann von der Kassenärztlichen Vereinigung stellte das digitale Angebot docdirekt vor, das Patientinnen und Patienten rund um die Uhr eine medizinische Ersteinschätzung und den passenden Versorgungsweg bietet.

Dr. Bahr, Ärztliche Direktorin des Klinikums Tuttlingen, machte deutlich, dass die Notfallversorgung vor großen Herausforderungen steht. Als wichtige Zukunftsbausteine nannte sie digitale Vernetzung, strukturierte Ersteinschätzungen und eine enge Zusammenarbeit aller Beteiligten – vom Rettungsdienst über Kliniken und ambulante Versorgung bis hin zu Pflege und sozialen Diensten.

Wie innovative Versorgung im ländlichen Raum gelingt, zeigte das Gesundheitsnetz Heuberg. Die Community Health Nurse unterstützt insbesondere ältere, chronisch kranke und pflegebedürftige Menschen durch Beratung, Hausbesuche und die Vermittlung passender Hilfsangebote.

„Der Landkreis Tuttlingen verfügt über viele starke Partner und innovative Ansätze. Unsere Aufgabe ist es, diese Kräfte zusammenzubringen und neue Entwicklungen zu unterstützen“, fasste Marianne Thoma, Leiterin der Fachstelle Pflege und Selbsthilfe, zusammen.

Die Kommunale Gesundheits- und Pflegekonferenz zeigt damit: Der Landkreis Tuttlingen ist gut aufgestellt. Gleichzeitig gilt es, die bestehenden Strukturen weiterzuentwickeln und die Zusammenarbeit aller Akteure zu stärken, damit die Menschen auch künftig wohnortnah und verlässlich versorgt werden können.