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Kreisbeschreibung - Landkreis Tuttlingen

Ein Landkreis in reizvoller Natur!

Der Landkreis Tuttlingen liegt in einem der landschaftlich reizvollsten Gebieten Baden-Württembergs. Geographisch
umfasst er die südwestlichen Ausläufer der Schwäbischen Alb mit ihren höchsten Erhebungen (Lemberg bei Gosheim 1015 m, Klippeneck und Dreifaltigkeitsberg fast 1000 m), Teile der Baar, die schon zum Schwarzwald hinweisen, und das Tal der Jungen Donau.

Daten und Fakten

Der Landkreis Tuttlingen hat eine Gesamtfläche von 734,4 Quadratkilometern. Rund 142.000 Menschen leben in 35 Gemeinden. Pro Quadratkilometer leben 192,9 Einwohner. Der Landkreis Tuttlingen hat eine Ausdehnung Ost-West von 31 Kilometern und Nord-Süd von 38 Kilometern. Die höchste Erhebung ist der Lemberg mit 1.015 Meter. Der tiefste Punkt ist das Hattinger Tal mit 571 Meter.

Geschichte

"Es ist nur ein kleines Land, das Land zwischen den drei Eckpfeilern Lemberg, Lupfen und Witthoh, aber ein Land, das man lieben muss, wenn man es kennt."

Diese Zeilen in einem Kreisbuch des Jahres 1950 verweisen auf die Schönheit und Vielfalt von Natur und Landschaft im Kreis Tuttlingen, der sicherlich zu den landschaftlich reizvollsten Gebieten Baden-Württembergs zählt. Geographisch umfasst das Kreisgebiet die südwestlichen Ausläufer der Schwäbischen Alb (Heuberg, Hegau- und Baaralb) und den östlichen Teil der Baar, eine Hochebene zwischen Alb und Schwarzwald. Der Heuberg nimmt einen Großteil des Kreisgebiets ein und präsentiert sich als weite Hochfläche, geprägt von Wacholderheiden und dem steten Wechsel von Feld und Wald.

Die Donau durchläuft die Baar gemächlich in sanften Kehren und Schleifen, bevor sie hinter Tuttlingen die Kalksteinformationen der Schwäbischen Alb durchbricht. Dort, im Donautal, ist im Laufe der Jahrhunderte eine einzigartige Berglandschaft entstanden mit engen Flusskehren und schroff abfallenden Hängen, aus denen der weiße Kalksteinfels hervortritt. Das Kreisgebiet mit seinen landschaftlichen Reizen, aber auch mit seinen meist wenig ergiebigen, oft steinigen Böden und dem rauen Klima hat die Menschen und ihre Lebensweise geprägt.

Das Kreisbuch trifft dies recht gut: "Der Fleiß ersetzt, was dem Boden an Reichtum fehlt. Sparsamkeit und Genügsamkeit waren seit jeher gute Tugenden unserer Bewohner." Die schwierigen natürlichen Gegebenheiten formten einen Menschenschlag, der sich durch Arbeitsamkeit, unternehmerische Kreativität und Flexibilität auszeichnet.

Der Blick auf eine Karte aus dem 18. Jahrhundert belegt: das Gebiet des heutigen Landkreises Tuttlingen bildete einen ausgesprochenen territorialen "Flickenteppich". Eine Vielzahl an geistlichen und weltlichen Herrschaften und Ämtern gab der Region ihr Gepräge. Teile des heutigen Kreisgebiets waren württembergisch, andere gehörten zu Vorderösterreich oder zum fürstenbergischen Territorium. Einige Dörfer waren Bestandteil geistlicher Herrschaften wie der Dompropstei Konstanz oder des Klosters Rottenmünster, andere gehörten zu kleinen Territorien des reichsritterschaftlichen Adels, beispielsweise der Freiherren von Enzberg oder der Herren von Reischach. Mehr als ein Dutzend Herren hatten vor 1800 im Kreisgebiet das Sagen. Nichtsdestotrotz lässt sich eine Keimzelle des heutigen Landkreises erkennen: nämlich das württembergische Amt Tuttlingen, das Ende des 15. Jahrhunderts die Stadt Tuttlingen und mehrere Landorte, unter anderem Neuhausen, Aldingen, Rietheim, Hausen ob Verena, Talheim, Trossingen und Schura, umfasste. Diese Orte haben heute eines gemeinsam. Sie sind mehrheitlich evangelisch - eine Folge der Einführung der Reformation in Württemberg im 16. Jahrhundert - während die Umgebung katholisch blieb. Die große politische Flurbereinigung zu Beginn des 19. Jahrhunderts bereitete dem territorialen "Flickenteppich" in unserer Gegend ein Ende. Die kleinen Territorien fielen an Württemberg.

Württembergisch wurde auch das bis dahin zu Vorderösterreich gehörende oberhohenbergische Territorium mit seinem Verwaltungszentrum Spaichingen. Die fürstenbergischen Ortschaften in der Region Geisingen - Immendingen - Möhringen fielen an Baden. Auf dem Gebiet des jetzigen Landkreises Tuttlingen entstanden die zwei Oberämter (seit 1934 Kreise) Tuttlingen und Spaichingen. Die Kreisreform des Jahres 1938 löste den Kreis Spaichingen auf. Der Großteil seiner Gemeinden wurde dem Kreis Tuttlingen zugeschlagen. Der Landkreis Tuttlingen in seinen jetzigen Grenzen ist ein Kind der Kreisreform vom Anfang der 70er Jahre. Der württembergische Kreis Tuttlingen erweiterte sein Vorfeld im Süden und Osten durch die Einverleibung zahlreicher badischer Gemeinden. Die hohenzollerische Gemeinde Bärenthal brachte gar einen kleinen schwarz-weißen preußischen Tupfer in das facettenreiche historische Bild des Kreises Tuttlingen.

"Die Hauptnahrungsquelle der Bezirkseinwohner bilden Feldbau, Viehzucht und Gewerbe, letztere sind hauptsächlich in der Oberamtstadt sehr reichlich vertreten", können wir in der Oberamtsbeschreibung von 1879 nachlesen.

Der Gewerbestandort Tuttlingen genoss einen "vorteilhaften Ruf auch im Ausland“ vor allem wegen seiner "vorzüglichen Messerwaren und Schuhmacherarbeiten". Tuttlingens Messerschmiedewerkstätten -1866 waren es alleine in der Stadt 116 Betriebe - erweiterten ihre Produktionspalette durch chirurgische Instrumente. Es entstanden jene Betriebe der Chirurgiemechanik, die Tuttlingen als "Stadt der heilenden Messer“ weltweit bekannt machten.
Seit der Industrialisierung in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts bildete das produzierende Gewerbe, also Industrie und Handwerk, die wichtigste wirtschaftliche, Grundlage des Kreises. Ein zweiter bedeutender Gewerbezweig entstand in der Lederherstellung und - verarbeitung. 1925 erreichte die Schuhindustrie mit 40 Betrieben und 3.472 Mitarbeitern ihren höchsten Beschäftigungsstand. Einen dritten wichtigen Erwerbszweig im Kreis bildete die Harmonikaindustrie in Trossingen. Von der "Mundharfen"- Produktion profitierte nicht nur Trossingen selbst. Zahlreiche Filialen der Trossinger Firma gaben den Bewohnern des Heubergs und der Baar Arbeit und Brot. In jüngerer Zeit kamen die Herstellung von Drehteilen insbesondere auf dem Heuberg, die Elektrotechnik und der Maschinenbau als weitere bedeutsame Industriezweige hinzu. Dem sprichwörtlichen und in älteren Beschreibungen oft gelobten Gewerbefleiß der einheimischen Bevölkerung ist es zu verdanken, dass der Kreis sich zu einer wirtschaftsstarken Region entwickelt hat. Eine gesunde Mischung größerer, mittlerer und kleinerer Betriebe gibt der Wirtschaft des Landkreises ihr Profil.

Der Landkreis Tuttlingen und die Kreisreform

Der Landkreis Tuttlingen ging wesentlich gestärkt aus der Kreisreform hervor. Am 23. Juli 1971 verabschiedete der Landtag das Kreisreformgesetz. Zum 1. Januar 1973 trat die Gebietsreform in Kraft. Sie schuf statt der ehemals 63 Landkreise 35 neue. Die Stadt Trossingen, deren Bewohner über die Zugehörigkeit zum Kreis Tuttlingen oder zum Kreis Villingen-Schwenningen abstimmten, verblieb beim Landkreis Tuttlingen. Der Landkreis Tuttlingen wurde durch zahlreiche badische Gemeinden und Bärenthal, das bisher zum hohenzollerischen Kreis Sigmaringen gehörte, erweitert. Vom badischen Landkreis Donaueschingen kamen Geisingen mit Aulfingen, Gutmadingen, Kirchen-Hausen und Leipferdingen, Immendingen mit Hattingen, Hintschingen, Ippingen, Mauenheim und Zimmern sowie Emmingen hinzu. Vom bisherigen Landkreis Stockach wurden dem Landkreis Tuttlingen die Gemeinden Buchheim, Liptingen, Schwandorf und Worndorf zugeordnet. Tuttlingen „verlor“ nur eine Gemeinde, nämlich Tuningen, an den Schwarzwald-Baar-Kreis. Die Kreisreform brachte dem Landkreis Tuttlingen eine Zunahme um rund 20.000 Einwohner auf 108.000 und um 276 qkm Fläche auf 734. Die Kreisreform ließ einen geographisch und wirtschaftlich kompakten und abgerundeten Landkreis Tuttlingen entstehen. Aus alten und neuen Kreisteilen entstand eine erfolgreiche Symbiose, die Integration der neuen badischen und hohenzollerischen Gemeinden gelang recht schnell.

Eine Zeittafel bietet in gestraffter Form die bedeutsamsten Ereignisse.

Der Landkreis Tuttlingen in der Region

Der Landkreis Tuttlingen bildet zusammen mit den Kreisen Rottweil und Schwarzwald-Baar die Region Schwarzwald-Baar-Heuberg. Sie ist eine der zwölf Regionen in Baden-Württemberg.

Durch die Novellierung des Landesplanungsgesetzes haben die Regionalverbände mehr Kompetenzen und Spielräume erhalten: Neben der Raumordnung und Regionalplanung, die sich mit den Themen Verkehr, Wirtschaft, Energie- und Wasserversorgung sowie der Siedlungsentwicklung und der Landschaftsnutzung befasst, kann der Regionalverband nunmehr aktiv an der Gestaltung der Regionalpolitik mitwirken. So stehen für den Regionalverband Schwarzwald-Baar-Heuberg Themen wie Ringzug, Regionale Wirtschaftsförderung, Ausweisung eines Regionalen Gewerbegebiets, Regionales Logistikzentrum an.

Organe des Regionalverbands sind die Verbandsversammlung und der ehrenamtlich tätige Verbandsvorsitzende. Die Mitglieder der Verbandsversammlung werden von den Kreisräten und den Landräten der Landkreise aus der Mitte der Bevölkerung der einzelnen Landkreise gewählt. Von den insgesamt 46 Mitgliedern der Verbandsversammlung kommen dem Anteil des Kreises an der Gesamtbevölkerung der Region entsprechend 13 aus dem Landkreis Tuttlingen. Vorsitzender der Verbandsversammlung war über viele Jahre hinweg der Tuttlinger Landrat Hans Volle. Vom Jahr 2000 bis zum März 2007 hatte der Trossinger Bürgermeister Lothar Wölfle dieses Amt inne. Von April 2007 bis Oktober 2019 war Jürgen Guse Regionalverbandsvorsitzender. Am 11. Oktober 2019 übernahm Dr. Wolf-Rüdiger Michel dieses Amt und ist seither mit den Aufgaben des Regionalverbandsvorsitzenden betraut. Marcel Herzberg ist der Direktor des Regionalverbands.

Weitere Informationen unter www.regionalverband-sbh.de.

Region Schwarzwald-Baar-Heuberg

Die Wirtschaftsförderungsgesellschaft Schwarzwald-Baar-Heuberg ist eine Gesellschaft, deren Trägerschaft aus den Landkreisen Schwarzwald-Baar-Kreis, Rottweil und Tuttlingen, dem Regionalverband Schwarzwald-Baar-Heuberg, der Handwerkskammer Konstanz, der IHK Schwarzwald-Baar-Heuberg, den Großen Kreisstädten Villingen-Schwenningen, Tuttlingen, Rottweil, Donaueschingen und Schramberg und einer großen Anzahl weiterer Städte und Gemeinden in der Region Schwarzwald-Baar-Heuberg besteht.

Innovativ und zukunftsfähig – Der Landkreis Tuttlingen punktet mit seiner Wirtschaftskraft

Eine der großen Stärken des Landkreises Tuttlingen ist die heimische Wirtschaft und die enorme Industriedichte. Die Schaffenskraft und das unermüdliche Engagement der Unternehmerinnen und Unternehmer sowie der Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer haben den Landkreis Tuttlingen in ein attraktives und blühendes Wirtschaftsgebiet mit hoher Dynamik und Innovationsfähigkeit verwandelt. Ein tragfähiges wirtschaftliches Fundament bietet den Bürgerinnen und Bürgern beste Zukunftschancen.

In der Vergangenheit hat es der ländliche Raum nicht leicht gehabt, sich gegen die wirtschaftlichen Ballungsgebiete zu behaupten. Im Gegensatz zu anderen ländlich strukturierten Gebieten hat die Industrialisierung im Kreis Tuttlingen jedoch relativ früh eingesetzt und ein außergewöhnliches Niveau erreicht. Eine Ursache für diesen bemerkenswerten Aufschwung sind die Menschen, die hier leben. Fleiß, Ideenreichtum und Sparsamkeit prägen den Charakter und die Lebenseinstellung der Menschen dieser Region. Noch in den 20er Jahren des letzten Jahrhunderts war der heutige Landkreis Tuttlingen ein bettelarmes Gebiet. Aber Not macht erfinderisch. Mutige Arbeitgeber und fleißige Arbeitnehmer haben aus dieser kargen Gegend eine blühende Industrielandschaft gemacht.

Heute ist der Landkreis Tuttlingen ein wirtschaftlich gut fundierter, steuerstarker Landkreis. Stadt und Landkreis Tuttlingen gelten als „Weltzentrum der Medizintechnik“. Rund 400 Firmen, die medizintechnische Produkte herstellen oder vertreiben, sind im Landkreis Tuttlingen zu finden. Aber auch in den Branchen Elektrotechnik, Maschinenbau und Metallverarbeitung - insbesondere im Bereich der Zulieferung für die Automobilindustrie - finden sich im Landkreis Tuttlingen sowohl Weltmarkführer als auch zahlreiche „hidden champions“.

Eine gesunde Mischung größerer, mittlerer und kleinerer Betriebe geben der Wirtschaft im Landkreis ihr Profil. Die mittelständischen Unternehmen sind der Motor unserer Region. In der Produktentwicklung und in der Anwendung neuer Technologien sind diese Betriebe beispielhaft. Zusammen mit den kleineren Unternehmen sorgen sie für eine ausgesprochen positive Beschäftigungsbilanz und sind auf Grund ihrer ausgewogenen Struktur gegen starke konjunkturelle Schwankungen gerüstet. Eine Vielzahl von flexiblen Kleinbetrieben in den Bereichen Chirurgiemechanik, Medizintechnik, Metallverarbeitung und Elektrotechnik sorgen mit hohen Exportquoten für eine pulsierende Wirtschaft im Landkreis Tuttlingen. Nicht umsonst hat der Industrielandkreis Tuttlingen die größte Industriedichte in Baden-Württemberg nach der Region Stuttgart.

Ziel des Landkreises Tuttlingen ist es, ideale Rahmenbedingungen für die hier ansässigen Unternehmen und Handwerksbetriebe zu schaffen. Dazu gehören die Themen Breitbandausbau und Digitalisierung, Straßenbau, infrastrukturelle Anbindungen für den Nah-/Fern- und Güterverkehr und auch die Bildung. Im Bereich der Wirtschaftsförderung will der Landkreis durch seine neue Marke Akzente setzen und auch damit zur Attraktivität des Wirtschaftsstandorts beitragen.

  • Weltzentrum der Medizintechnik

    Der Landkreis Tuttlingen gilt schon lange als Weltzentrum der Medizintechnik. Doch auch in anderen Bereichen wie der Maschinenbau- oder der Drehteilindustrie glänzt der Landkreis durch zahlreiche Weltmarkführer.

Die Landschaft liegt in reizvoller Natur

Der Landkreis Tuttlingen zeichnet sich durch folgende landschaftliche "highlights" aus:

  • die Schwäbische Alb erreicht am Lemberg mit 1015 Metern ihren höchsten Punkt
  • der einzigartige Albtrauf mit seinen charakteristischen Kalkbuchenwäldern erhebt sich als weithin sichtbare Steilstufe über dem Faulenbach- und Primtal
  • im Landkreis beginnt das Donaudurchbruchstal, eine der beeindruckendsten Landschaften Baden-Württembergs
  • der Große Heuberg zählt mit seinen großflächigen, extensiv bewirtschafteten Mähwiesen zum Urbild einer historisch gewachsenen Kulturlandschaft
  • die fruchtbaren Donauwiesen zwischen Geisingen und Mühlheim sind weitgehend in einem naturnahen, ökologisch wertvollem Zustand
  • vom Witthoh hat man einen atemberaubenden Blick auf die Alpenkette.

Die vielfältige Landschaftsausstattung bedingt auch die hervorragende Ausstattung des Landkreises mit verschiedensten Lebensräumen für eine sehr artenreiche Tier- und Pflanzenwelt.

Das Gebiet des Landkreises zählt zu den Altsiedellandschaften. Trotzdem gibt es bis heute nur eine vergleichsweise dünne Besiedelung und extensive Landnutzung. Auch dies sind wichtige Bedingungen für eine reichhaltige Naturausstattung.
Landschaftssprägend waren über Jahrhunderte hinweg extensiver Ackerbau im Rhythmus der Dreifelderwirtschaft auf tiefgründigen, siedlungsnahen Standorten sowie ausgedehnte, extensive Weidewirtschaft (Hutweide mit Rindern und Schafen) auf den entfernteren und flachgründigen Standorten.

  • Einzigartige Natur

    Malerische weiße Kalkfelsen ragen im Donautal in den Himmel. Unten schlängelt sich, wie könnte es anders sein, die Donau ihren Weg durch das Tal. Im nördlichen Teil besticht der Landkreis Tuttlingen durch seine Wachholderheiden und die Region der 10-Tausender, zehn Berge mit über 1000 Meter Höhe.

Naturschutz und Landschaftspflege im Landkreis Tuttlingen

Der Landkreis Tuttlingen ist nicht nur ein wirtschaftlich starker Landkreis, sondern auch ein starker Landkreis in Bezug auf die Natur- und Landschaftsausstattung. Und ein starker Landkreis in Bezug auf den Schutz von Natur und Landschaft.

Die naturschutzfachliche Besonderheit (wenn nicht sogar Einzigartigkeit) des Landkreises Tuttlingen liegt begründet im:

  • Vorkommen von weiträumigen, gut vernetzten und überwiegend extensiv genutzten Landschaftsräumen
  • Vorkommen von vom Menschen (fast) unbeeinflußten Biotopen wie Felsen mit ihren an die panonische Steppe erinnernden Pflanzenwelt auf den warmen Felsköpfen (Fachbegriff: "Steppenheidegesellschaften") und Blockhalden
  • Vorkommen von Zeugnissen historischer Bewirtschaftungsformen wie beispielsweise
    • aus dem extensiven Ackerbau herrührenden Steinriegel-Heckenzeilen- Landschaften wie z.B. in Kolbingen, Bärenthal und Irndorf
    • die durch Wanderschäferei entstandenen großflächigen Wacholderheiden wie z. B. das Naturschutzgebiet (NSG) "Kraftstein" bei Mahlstetten (größte Wacholderheide im Regierungsbezirk Freiburg)
    • die durch Weidewirtschaft und Streunutzung entstandenen lückigen Weidewälder, die sog. Holzwiesen oder Hardte (das berühmteste Beispiel ist das NSG "Irndorfer Hardt") bei Irndorf
    • die durch extensive Wiesennutzung geprägten, blumenbunten Heu-Bergwiesen-Landschaften des gesamten Großen Heubergs
    • Vorkommen ausgedehnter, blumenbunter Magerwiesen für die der Landkreis zusammen mit dem Zollernalbkreis sogar landesweite, wenn nicht sogar im Hinblick auf die Festlegung von Natura-2000-Gebieten europaweite Verantwortung besitzt
    • Vorkommen großflächiger, natürlicher Kalkbuchenwälder am Albtrauf sowie urwüchsiger Ahorn-Eschen-Schluchtwälder mit herrlichem Märzenbechervorkommen in den Donauseitentälern wie z.B, im Hintelestal oder im Lippachtal
    • Vorkommen weiterer einzigartiger Einzelbildungen der Natur bzw. der Kulturlandschaft wie beispielsweise die Donauversickerung, Dolinen, Höhlen, Bohnerzgruben und Hülben

Pflanzen und Tiere im Landkreis Tuttlingen

Aufgrund dieser kulturhistorischen, geologischen, naturräumlichen und landschaftlichen Besonderheiten hat sich eine bis heute große Fülle an seltenen Pflanzen und Tierarten entwickelt. Dieser Artenreichtum drückt sich aus im:

  • Vorkommen von über 500 Pflanzenarten je Meßtischblatt, womit das Gebiet zu den floristisch artenreichsten Gebieten Baden-Württembergs zählt
  • Vorkommen von über 50 besonders seltenen und schutzwürdigen Farn- und Blütenpflanzen wie z.B. Frauenschuh, verschiedenen Knabenkrautarten und dem Märzenbecher
  • Vorkommen seltener Tierarten wie z.B. Wanderfalke, Raubwürger und Uhu bei den Vögeln, Gelbbauchunke bei den Amphibien oder Kreuzenzian-Bläuling bei den Schmetterlingen
  • Erwähnenswert ist an dieser Stelle, dass es auch ein Blumenwappen des Landkreises gibt. Es enthält eine Auswahl der für den Landkreis typischen, meist seltenen und geschützten Pflanzenarten. Im Uhrzeigersinn sind im Jahresgang folgende Pflanzen abgebildet: Das Leberblümchen, der Märzenbecher, der Seidelbast, die Küchenschelle, das Maiglöckchen, der Türkenbund, der Frauenschuh, das gefleckte Knabenkraut, die Arznei-Schlüsselblume, das rote Waldvögelein, die Kartäusernelke, der Wacholder und die Silberdistel.

Schutzgebiete im Landkreis Tuttlingen

Die herausragende Bedeutung des Gebietes für den Naturschutz manifestiert sich in der Ausweisung zahlreicher Schutzgebiete unterschiedlichster Kategorien.

So besitzt der Landkreis:

  • 24 Naturschutzgebiete mit einer Fläche von ca. 2200 ha
  • 44 Landschaftsschutzgebiete mit einer Fläche von knapp 7000 ha
  • 35 Flächenhafte Naturdenkmale mit einer Fläche von ca. 70 ha
  • Diese Schutzgebiete umfassen knapp 9 000 ha. Dies entspricht ca. 11 % der Landkreisfläche. Nicht berücksichtigt wurden dabei die Naturparkfläche sowie die gesetzlich geschützten Biotopflächen und die FFH-Gebiete, die sich aber teilweise überlappen
  • Naturschutz und Landschaftspflege sind allerdings nicht zum Nulltarif zu haben
  • Öffentliche Hand investiert jährlich knapp 400 000 EURO für Naturschutz und Landschaftspflegmaßnahmen im Landkreis Tuttlingen
  • Mittel kommen via Landschaftspfleverträgen in erster Linie den heimischen Landwirten und über Pflegeaufträge mit Hilfe der Waldarbeitern den Gemeinden zu Gute
  • Investitionen in Naturschutz und Landschaftspflege kommen auch dem Tourismus zugute, der "blühende Landschaften" hier nicht vergeblich sucht

Der Landkreis Tuttlingen und der Biber

Ein wichtiges Tier bei der Aufzählung der seltenen Tiere vergessen:

  • Der Biber, der seit nun ca. 5 Jahren hier im Westen des Landkreises wieder heimisch geworden ist
  • Nicht nur Sympathieträger, sondern auch Zeichen, dass an seinem Vorkommen das dortige Ökosystem in Ordnung bzw. wieder in Ordnung ist
  • "Wieder in Ordnung", weil sein Lebensraum erst durch die von der Stadt Tuttlingen begonnene Donaurenaturierung wieder hergestellt wurde
  • Nähere Informationen über die Verbreitung des Bibers in Baden-Württemberg sowie seine Biologie erläutert Frau Bettina Sättele vom Regierungsbezirk Freiburg

Warum Naturschutz ?

  • Die Rückkehr des Bibers nach Tuttlingen ist auch wichtiges und ermutigendes Zeichen, dass wir Menschen aktiv etwas für die Natur tun können und dass es uns die Natur dankt
  • Auch in Zukunft wichtig, sich für Natur, Landschaft und Umwelt zu engagieren
  • Ziel von Naturschutz und Landschaftspflege ist im Landkreis der Erhalt der bäuerlichen Kulturlandschaft mit seinem vielfältigen Mosaik verschiedenster Landschaftsformen und mit seiner reichen Tier- und Pflanzenwelt
  • Es geht um die Bewahrung der natürlichen Lebensgrundlagen und damit um unsere eigene Existenzgrundlage.

In Naturschutz und Landschaftspflege investieren, heißt in die Lebensgrundlagen der nachfolgenden Generationen investieren.