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Europäische Impfwoche: Positive Entwicklung beim RSV im Landkreis Tuttlingen

Bereits zum 20. Mal findet in diesem Jahr die Europäische Impfwoche vom 19. bis 25. April statt. Diesen Anlass möchte der Öffentliche Gesundheitsdienst erneut nutzen, um auf die Bedeutung von Impfungen aufmerksam zu machen. Das diesjährige Motto lautet dabei „Impfstoffe wirken für jede Generation“. Die positiven Auswirkungen von Impfungen können auch im Landkreis Tuttlingen beobachtet werden.

Impfung

Aufgrund eines erhöhten Risikos für schwere Krankheitsverläufe wird seit Juni 2024 für die unter Einjährigen eine Prophylaxe gegen das Respiratorische Synzytial Virus (RSV) von der Ständigen Impfkommission (STIKO) empfohlen. Dabei erhalten Neugeborene und Säuglinge Antikörper, die vor schweren RSV-Erkrankungen schützen. Der Schutzeffekt hat sich bereits in der darauffolgenden RSV-Saison deutlich gezeigt. Die Zahl der übermittelten Fälle bei den unter Einjährigen halbierte sich nahezu im Landkreis Tuttlingen.

Tabelle: Anzahl der im Landkreis Tuttlingen übermittelten RSV-Fälle nach Saison (40. bis 20. Kalenderwoche im Folgejahr)

Alter

2023/24

2024/25

Änderung zwischen den Saisons in %

Unter Einjährige

18

10

-44,4

Einjährige und älter

73

52

-28,8

Alle Altersgruppen

91

62

-31,9

Das Robert Koch-Institut analysiert jedes Jahr die Abrechnungsdaten der Kassenärztlichen Vereinigungen und berechnet daraus die Impfquoten in Deutschland. Zwischen April und September des Jahres 2024 und damit im ersten Jahr seit Einführung der Empfehlung erhielten im Kreis Tuttlingen 38 % der Säuglinge eine RSV-Prophylaxe. „Die RSV-Prophylaxe stellt einen wichtigen Schutz für die Jüngsten unter uns dar. Positive Auswirkungen der RSV-Prophylaxe können wir bereits jetzt in den uns vorliegenden Meldedaten zu RSV-Fällen beobachten“, so Martine Hielscher, Leiterin des Gesundheitsamtes.

Während die RSV-Prophylaxe unmittelbar Säuglinge vor schweren Erkrankungen schützt, entfaltet die Impfung gegen Humane Papillomviren (HPV), die ab dem Kindes- und Jugendalter empfohlen ist, ihre Wirkung erst im Laufe des Lebens. Bestimmte HPV-Typen können Krebs am Gebärmutterhals, im Rachen und im Anogenitalbereich auslösen. Zum Schutz vor HPV-bedingtem Krebs ist für alle Kinder und Jugendlichen im Alter von 9 bis14 Jahren in Deutschland die Impfung gegen HPV empfohlen. Im Landkreis Tuttlingen waren 2024 26 % der 15-jährigen Mädchen und 16 % der 15-jährigen Jungen vollständig gegen HPV geimpft. Die Quoten liegen damit deutlich unterhalb der von der Weltgesundheitsorganisation angestrebten 90 %. Dabei zeigt sich bereits jetzt: die HPV-Impfung wirkt.

Trotz der in Deutschland vergleichsweise niedrigen Impfquoten werden laut einer Veröffentlichung des Robert Koch-Instituts erste schützende Effekt auf Bevölkerungsebene sichtbar. So ging die Rate der Neuerkrankungen mit Gebärmutterhalskrebs bei jüngeren Frauen im Alter von 20 bis 34 Jahren zurück. Sie ist von 7,8 pro 100.000 Frauen im Jahr 2015 kontinuierlich auf 4,3 im Jahr 2023 gesunken. In der nächsthöheren Altersgruppe, für die zum damaligen Zeitpunkt noch keine HPV-Impfempfehlung bestand, ist hingegen kein eindeutiger Trend erkennbar. „Mit höheren HPV-Impfquoten können wir zukünftig noch mehr HPV-bedingte Krebsfälle verhindern. Daher sollten möglichst alle Kinder und Jugendlichen dieses Impfangebot wahrnehmen“, so Sozialdezernent Bernd Mager.

Für einen vollständigen Impfschutz sind zwei Impfdosen erforderlich. Wenn die HPV-Impfung verpasst wurde, sollte sie spätestens bis zum 18. Geburtstag nachgeholt werden. Wird die Impfung erst nach dem 15. Geburtstag begonnen, sind für den vollständigen Schutz drei Impfungen notwendig. HPV-Impfungen können zum Beispiel durch den Kinderarzt, die Hausärztin oder den Frauenarzt verabreicht werden.

Bei Fragen zu Impfungen berät das Gesundheitsamt Tuttlingen unter Tel. +49 7461 926 4200 oder per E-Mail an gesundheitsamt@landkreis-tuttlingen.de. Weitere Informationen bietet auch die Website des Bundesinstituts für Öffentliche Gesundheit (BIÖG) www.infektionsschutz.de.