Großangelegte Katastrophenschutzübung: Erfolgreiche Evakuierung eines Pflegeheims nach angenommenem Bombenfund
Unter realitätsnahen Bedingungen trainierten am vergangenen Samstag rund 80 Einsatzkräfte des DRK aus dem Landkreis Tuttlingen den Ernstfall. Übungsszenario war ein angenommener Bombenfund in unmittelbarer Nähe eines Pflegeheims, der eine schnelle Evakuierung der Einrichtung erforderlich machte.
Mehr als 50 Bewohnerinnen und Bewohner mussten innerhalb kurzer Zeit sicher aus dem Gebäude gebracht, medizinisch betreut und in eine vorbereitete Notunterkunft in der Balgheimer Gemeindehalle verlegt werden. Das Gebäude des Gesundheitszentrums in Spaichingen bot gute Bedingungen für den Ausgangspunkt der Übung. Ziel der Übung war es, die Abläufe bei einer komplexen Evakuierung unter Zeitdruck zu trainieren und die Zusammenarbeit der verschiedenen Einheiten zu stärken.
Der Einsatz umfasste zunächst die strukturierte Erfassung aller Bewohnerinnen und Bewohner. Pflegebedürftigkeit, Mobilitätseinschränkungen sowie medizinische Besonderheiten wurden dokumentiert und bei der Transportplanung berücksichtigt.
Die Einsatzkräfte übernahmen in der Folge die Evakuierung und den Transport der Bewohner mit Einsatzfahrzeugen, die medizinische Sichtung und Betreuung, die Registrierung und Dokumentation. Zeitgleich wurde in Balgheim die Gemeindehalle als Notunterkunft aufgebaut und eingerichtet. Dabei wurde auch eine eigenständige Notstromversorgung in Betrieb genommen.
Wie bei realen Schadenslagen standen insbesondere die Bereiche Koordination, Dokumentation, Prozessabläufe und Führungsstruktur im Fokus. Die Vielzahl an beteiligten Kräften sowie die hohe Anzahl betreuungsintensiver Personen stellten besondere Anforderungen an Kommunikation und Organisation.
„Gerade die Evakuierung vulnerabler Personengruppen erfordert ein hohes Maß an Abstimmung und klaren Führungsstrukturen“, so Kreisbrandmeister Andreas Narr in der Übungsleitung. „Die Übung hat gezeigt, dass unsere Einsatzeinheiten gut aufgestellt sind, gleichzeitig aber auch Stellschrauben für Optimierungen in einzelnen Prozessschritten bestehen – genau deswegen machen wir solche aufwändigen Übungen.“
Auch Kreisbereitschaftsleiter Dirk Schad zog insgesamt eine positive Bilanz: „Die Übungsziele konnten erreicht werden, die Zusammenarbeit der Einheiten funktionierte zuverlässig und professionell.“ Die gewonnenen Erkenntnisse werden nun ausgewertet und fließen in die Weiterentwicklung der Einsatzkonzepte sowie Aus- und Fortbildung ein.
Das Landratsamt übernimmt als Katastrophenschutzbehörde besondere Verantwortung für außergewöhnliche Schadenslagen. Mehrere Tausend Einsatzkräfte engagieren sich im Landkreis Tuttlingen – fast ausschließlich ehrenamtlich – für die Belange des Katastrophenschutzes. Sei es bei Feuerwehren, DRK, DLRG, THW, Notfallseelsorge, ASB. Das Amt für Brand- und Katastrophenschutz bündelt, koordiniert und vernetzt die Akteure für einen geschlossenen Einsatz. Mit regelmäßigen Übungen dieser Art stellt der Katastrophenschutz im Landkreis Tuttlingen sicher, dass im Ernstfall schnell, koordiniert und professionell gehandelt werden kann.