Positive Entwicklung bei der hausärztlichen Versorgung im Landkreis Tuttlingen
Die hausärztliche medizinische Versorgung hat sich in den vergangenen Jahren im Landkreis Tuttlingen spürbar verbessert. Während der Versorgungsgrad im Juli 2020 noch 79,8 Prozent betrug, lag er im Jahr 2025 stabil über 90 Prozent. Dies zeigen die aktuellen Zahlen der Kassenärztlichen Vereinigung (KV), die für die hausärztliche Versorgung primär zuständig ist.
Der Versorgungsgrad wird ermittelt, in dem die Zahl der Einwohner mit der Zahl der praktizierenden Hausärzte gegenübergestellt wird. Ab einem Versorgungsgrad von 100 Prozent spricht man von einer Vollversorgung. Ende 2025 waren im Landkreis bei einem Versorgungsgrad von 90,3 Prozent 75,5 Hausärztinnen und Hausärzte (Vollzeitstellen) tätig.
Allerdings führen selbst zusätzliche Arztsitze nicht automatisch zu einer besseren Versorgung. Insbesondere in ländlichen Regionen bleiben häufig freie Arztsitze unbesetzt. Mit einem Versorgungsgrad von 79,8 Prozent (Juli 2020) bestanden ernsthafte Befürchtungen, dass die Region in eine Unterversorgung rutschen könnte. Das geschieht bei einem Versorgungsgrad von unter 75 Prozent. Auch für die niedergelassenen Hausärztinnen und Hausärzte hatte diese Situation spürbare Konsequenzen: Die vorhandenen Praxen mussten eine wachsende Patientenzahl auffangen. Dies führte zu vollen Terminkalendern sowie zu einer deutlich erhöhten Arbeitsbelastung pro Ärztin und Arzt.
Die aktuellen Versorgungszahlen der Kassenärztlichen Vereinigung sind ermutigend. Allerdings ist allen Fachleuten klar, dass die hausärztliche Versorgung eine dauerhafte Herausforderung bleibt. Ärztinnen und Ärzte sind ein rares Gut. Landrat Stefan Bär betont, dass gerade im ländlichen Raum eine verlässliche hausärztliche Versorgung enorm wichtig für die Lebensqualität der Menschen sei: „Unsere Hausärztinnen und Hausärzte im Landkreis leisten hervorragende Arbeit. Ihrem hohen Engagement ist es zu verdanken, dass die Versorgung derzeit gewährleistet ist“.
Der aktuelle Versorgungsgrad von über 90 Prozent seit 2024 steht für eine spürbare Entlastung der hausärztlichen Versorgung, auch wenn sie noch nicht optimal ist. Hausarztpraxen sind heute wieder besser erreichbar und die wohnortnahe medizinische Grundversorgung im Landkreis Tuttlingen hat insgesamt an Stabilität gewonnen. Davon profitieren insbesondere ältere Menschen, Familien und chronisch Erkrankte.
In den vergangenen Jahren wurden auf unterschiedlichen Ebenen – insbesondere durch das hohe Engagement der niedergelassenen Ärztinnen und Ärzte sowie des Klinikums Landkreis Tuttlingen – zahlreiche Initiativen zur Stärkung der hausärztlichen Versorgung umgesetzt. Dazu zählen Maßnahmen zur Nachwuchsgewinnung, etwa die Betreuung von Ärztinnen und Ärzten in Weiterbildung, Famulanten sowie Blockpraktikanten durch die Praxisinhaber. Ferner hat die DonauDoc-Initiative über viele Jahre ein breites Unterstützungsportfolio aufgebaut und gemeinsam mit der Stadt Tuttlingen durch gezielte Niederlassungsförderung zu einer verbesserten hausärztlichen Versorgung beigetragen. Auch das Klinikum Landkreis Tuttlingen und das Gesundheitsamt engagieren sich mit Angeboten wie Summer School in Kooperation mit der Universität Freiburg und der Aesculap Academy bereits um Medizinstudierende, bieten Weiterbildungsstellen sowie Ausbildungsplätze für Ärztinnen und Ärzte im Praktischen Jahr.
Ebenfalls erfreulich ist die Entwicklung, dass der Anteil der niedergelassenen über 60-jährigen Hausärzte im Landkreis Tuttlingen gesunken ist auf 35,1 Prozent und nun unter dem baden-württembergischen Durchschnitt (38,7 %) liegt.
Trotz der positiven Entwicklung bleibt die Sicherstellung der hausärztlichen Versorgung eine zentrale Zukunftsaufgabe. Landesweit herrsche nach wie vor in vielen Regionen ein Mangel an Hausärzten.
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Entwicklung des Versorgungsgrades für die hausärztliche Versorgung:
Unterversorgung = < 75 % Vollversorgung = 100 % Überversorgung = 110 % (Sperrung für niederlassungswillige Ärzte) |