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Sitzungssaal Kreistag

Fragen und Antworten zur Neustrukturierung des Klinikums Landkreis Tuttlingen

Auf dieser Seite erfahren Sie die Antworten auf die wichtigsten Fragen zum derzeitigen Stand der Gespräche und Prozesse über die Gestaltung der Gesundheitsversorgung im Landkreis Tuttlingen.

Im März dieses Jahrs hatte der Kreistag ein Gutachten in Auftrag gegeben, nachdem sich insbesondere für den Standort Spaichingen notwendige Veränderungen abzeichneten. Ziel des Gutachtens ist es zu untersuchen, wo die Menschen im Kreis optimal mit medizinischen Leistungen versorgt werden können. Der Zeitplan sieht vor, dass das Gutachten Mitte September den Kreisräten präsentiert wird. Eine Entscheidung soll dann im Oktober gefällt werden. Unterdessen werden auch weiterhin Gespräche der Gutachter mit der Klinikinitiative Spaichingen stattfinden.

Auf dieser Seite können Sie sich über den weiteren Prozess informieren. Wenn Sie Fragen haben, die hier nicht beantwortet werden, können Sie sich gerne an uns wenden: E-Mail schreiben

Warum muss für das Klinikum Landkreis Tuttlingen eine Neustrukturierung erfolgen?

Die Kliniken in Deutschland stehen vor zwei wesentlichen Herausforderungen: Auf der einen Seite ist das Gesundheitswesen neben einem wachsenden wirtschaftlichen Druck gekennzeichnet durch einen stetigen medizinischen Fortschritt mit einem starken Trend zur Spezialisierung der Medizin und der ärztlichen Aus- und Weiterbildung. Auf der anderen Seite steigt die Anzahl vor allem älterer Patienten mit gleichzeitig auftretenden verschiedenen Krankheitsbildern. Um diese bestmöglich zu versorgen, ist eine Konzentration verschiedener medizinischer Leistungsbereiche unter einem Dach geboten. Größere Kliniken verfügen über ein breiteres Leistungsangebot und eine größere Spezialisierung. Damit sind sie auch wesentlich attraktiver für Ärzte und Pflegekräfte, weil sie mehr Perspektiven bieten. Auch die in den jüngsten Tagen veröffentlichte Bertelsmann Studie stellt die Qualität in kleinen Häusern in Frage und fordert deshalb Strukturveränderungen. Zudem erwarten die Patienten für sich eine optimale Versorgung und entscheiden sich deshalb bewusst für größere Kliniken. Neben diesen allgemeinen Entwicklungen waren konkreter Anlass für die aktuellen Überlegungen akute Personalprobleme in der Inneren Medizin in Spaichingen, deren Lösung innerhalb der bestehenden Strukturen nicht mehr möglich war.

Welche Veränderungen in der Gesundheitspolitik und im Krankenhauswesen betreffen das Klinikum Landkreis Tuttlingen?

Die genannten Veränderungen treffen auch unser Klinikum in vollem Umfang und stellen uns vor große Herausforderungen. Das Klinikum Landkreis Tuttlingen mit den beiden Standorten in Tuttlingen und Spaichingen hat in den letzten Jahren - von einer Ausnahme abgesehen - immer mit roten Zahlen abgeschlossen, allerdings in einer Dimension, die der Kreistag nach wie vor im Interesse der Gesundheitsversorgung für akzeptabel hält. Die Wirtschaftlichkeit wird auf absehbare Zeit eine Dauerherausforderung bleiben. Schwerer treffen uns die seit Anfang 2019 geltenden Qualitätsvorgaben für die gestufte Notfallversorgung, die wir zwar am Standort Tuttlingen, aber eben nicht in Spaichingen erfüllen. Wir dürfen dort im Regelfall keine Notfälle mehr behandeln, was sich auf die Patientenzahlen auswirken wird. Unsere größte Sorge aktuell ist aber die Personalgewinnung. Bereits heute müssen wir Honorarkräfte einsetzen, um alle Dienste abdecken zu können. Auch bei uns sind deshalb Veränderungen an den Strukturen notwendig. Im Hinblick auf die gesamten allgemeinen Veränderungen müssen wir das Klinikum als Ganzes dauerhaft stärken und sichern, zumal wir mit etwas mehr als 300 Betten zu den kleinen Klinikstandorten gehören.

Welche Ziele sollen mit einer neuen Struktur erreicht werden?

Unsere Leitfrage bei der Gestaltung der Gesundheitsversorgung ist: Wo werden die Patienten des Klinikums optimal versorgt? Für diese bestmögliche Versorgung der Patienten im gesamten Landkreis brauchen wir ein zukunftsfähiges Konzept, welches die Herausforderungen im Gesundheitswesen genauso im Blick hat wie die Besonderheiten vor Ort. Neben der notwendigen Stärkung des Standorts Tuttlingen wollen wir auch in Spaichingen weiter Gesundheitsversorgung anbieten.

Was ist der Auftrag der Gutachter?

Das vom Kreistag beauftragte Gutachten nimmt die derzeitige Situation des Klinikums und die Gegebenheiten im Landkreis unter die Lupe, unter anderem die Ausgestaltung der Geriatrie, der Diabetologie, der Notfallversorgung und des zukünftigen medizinischen Angebotes in Spaichingen. Zusätzlich zu den medizinischen Gegebenheiten werden auch wirtschaftliche Aspekte untersucht. Dabei liegen Vorschläge des Klinikums, aber auch der Klinikinitiative Spaichingen auf dem Tisch, die in diesem Gutachten explizit untersucht werden sollen. Wenn diese auf Basis einer soliden Analyse und Bestandsaufnahme verglichen und bewertet sind, wird der Landkreis über die Empfehlungen des Gutachtens diskutieren und zeitnah entscheiden.

Wieso müssen diese Veränderungen jetzt und so schnell kommen?

Ursprünglich war geplant, die Diskussion über die künftige Ausrichtung im Jahr 2020 in aller Ruhe anzugehen. Die überraschende Kündigung des designierten Chefarztes in Spaichingen zwang uns aber zu schnelleren Entscheidungen. Die getroffene Übergangslösung für 2019 gilt längstens bis Jahresende. Sie führt zudem aufgrund der reduzierten Beschäftigung bereits heute zu einer Einschränkung der Versorgung. Wenn wir durch entsprechende Entscheidungen nicht schnell Sicherheit und klare Perspektiven für die Beschäftigten schaffen, haben wir die große Sorge, dass sich Ärzte und Pflegepersonal, die heute auf dem regionalen Arbeitsmarkt sehr stark umworben sind, umorientieren und damit das heutige Versorgungsangebot nicht wie bisher gewohnt gehalten werden kann.

Was passiert mit den Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern?

Wir werden jedem/r von Veränderungen betroffenen Mitarbeitern/innen weiter einen Arbeitsplatz anbieten. Betriebsbedingte Kündigungen wird es nicht geben.

Was passiert mit der Notfallversorgung in Spaichingen?

Wichtigster Baustein der Notfallversorgung ist der Notarzt mit dem Rettungsdienst, der schnell am Ort des Notfalls sein muss. An der Notarztversorgung wird sich für die betroffenen Menschen nichts ändern. Der Notarzt mit Rettungswache bleibt in Spaichingen. Er wird deshalb genauso wie heute zur Stelle sein, wenn er gebraucht wird. Für die Notarztversorgung ist entscheidend, wie schnell der Notarzt zur Erstversorgung am Einsatzort sein kann. Dies ist viel wichtiger als die Frage eines wohnortnahen Krankenhauses. Wie bisher wird je nach Krankheitsbild und Schwere des Notfalls das dafür geeignete Haus angefahren, soweit es zur Aufnahme bereit ist. Er wird allerdings künftig noch seltener, als es bereits heute der Fall ist, die Notaufnahme in Spaichingen anfahren, weil aufgrund neuer Regelungen zur gestuften Notfallversorgung viele Notfälle in Spaichingen gar nicht mehr behandelt werden sollen. Ziel ist es deswegen, die Notfallversorgung im MVZ um einen internistischen und einen allgemeinmedizinischen Bereich zu erweitern. Davon zu unterscheiden ist die ambulante Notfallversorgung, für die nicht der Landkreis, sondern die kassenärztliche Vereinigung zuständig ist. Früher gab es dazu den hausärztlichen Notdienst, bei dem sich verschiedene niedergelassene Ärzte turnusmäßig abgewechselt haben. Seit 2013 hat die kassenärztliche Vereinigung wegen der damit verbundenen Dienstbelastung dieses System aufgegeben und stattdessen eine zentrale KV-Notfallpraxis am Klinikstandort in Tuttlingen eingerichtet, die bis 22 Uhr geöffnet ist. Zusätzlich gibt es einen ärztlichen Fahrdienst für Hausbesuche (an Samstagen, Sonntagen und Feiertagen sowie am 24.12. und am 31.12. von 8.00 Uhr bis 8.00 Uhr des Folgetages; von Montag bis Freitag von 18.00 Uhr bis 8.00 Uhr des Folgetages). Bereits damals lehnte die KV die Einrichtung einer zweiten Notfallpraxis im Klinikum Spaichingen ab. Aktuell deckt tagsüber das MVZ in Spaichingen diese ambulante Versorgung mit ab. Außerhalb der Öffnungszeiten übernimmt das Klinikum diese Funktion mit, wobei nur ein eingeschränktes Spektrum der Behandlungen vor Ort erfolgt. In den anderen Fällen wird der Patient ggf. nach einer Erstversorgung zur weiteren Behandlung nach TUT verwiesen.

Aufgrund der großen Bedeutung des Themas und der öffentlichen Diskussion wird die Situation der Notfallversorgung im Gutachten nochmals explizit untersucht.

Wie sehen Kreisverwaltung und Klinikgeschäftsführung die künftige Gesundheitsversorgung im Landkreis?

Wir sehen uns in der Verantwortung für den gesamten Landkreis und müssen deshalb auch das Klinikum als Ganzes im Blick haben. Bei den aktuellen Veränderungen im Gesundheitswesen und den weiter zu erwartenden steigenden Qualitätsanforderungen kann die heutige Ausrichtung unserer beiden Standorte nicht so bleiben. Wir müssen Veränderungen vornehmen, wenn wir unsere Zukunftsfähigkeit sichern wollen, gerade auch mit Blick auf die Personalgewinnung. Wichtig ist: Der Landkreis wird auch künftig in Spaichingen für den nördlichen Landkreis Gesundheitsversorgung anbieten.

Wann wird das Gutachten veröffentlicht?

Der Zeitplan sieht vor, dass das Gutachten Mitte September den Kreisräten präsentiert wird. Eine Entscheidung soll dann im Oktober gefällt werden. Unterdessen werden auch weiterhin Gespräche der Gutachter mit der Klinikinitiative Spaichingen stattfinden. Wir werden regelmäßig über den weiteren Prozess informieren. Wir bitten aber auch um etwas Geduld und Verständnis dafür, dass wir während der Erstellung des Gutachtens keine inhaltlichen Fragen zu den Konzepten beantworten können, sondern zunächst die Ergebnisse des Gutachtens abwarten wollen.