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Pressemitteilungen
03.05.2019

Essstörungen im Landkreis Tuttlingen drastisch angestiegen - AOK und Landratsamt vereinbaren Präventionsinitiative

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Die AOK Schwarzwald-Baar-Heuberg und der Landkreis Tuttlingen starten eine Präventionsaktion gegen Essstörungen. Im Bild eine Aufführung des Theaterstücks »Püppchen« an der Eichendorffschule Donaueschingen 2017. Foto: Elke Rauls

Innerhalb von zehn Jahren hat sich die Zahl der von Essstörungen betroffenen Menschen im Landkreis Tuttlingen mehr als verdoppelt. Das geht aus einer Auswertung der AOK Schwarzwald-Baar-Heuberg hervor. „Von 2008 bis 2017 sind die Diagnosen von Essstörungen wie Magersucht oder Ess-/Brechsucht um knapp 150 Prozent gestiegen. Zuletzt waren 209 AOK-Versicherte deswegen in Behandlung. Hochgerechnet auf die Gesamtbevölkerung waren das über 350 Menschen im Landkreis – und das ist nur das Hellfeld“, erklärt Dirk Scherer, Präventionsexperte vom AOK-Gesundheitszentrum in Tuttlingen. Darin nicht berücksichtigt sind Personen, die bislang noch keine ärztliche Hilfe aufgesucht haben.

Besonders auffällig: Vor allem die jüngeren Altersgruppen sind von Essstörungen betroffen. Die Erkrankungshäufigkeit liegt in der Altersgruppe der 10- bis 14-Jährigen mehr als vier Mal so hoch wie bei den 35- bis 39-Jährigen. Noch ausgeprägter ist es bei der Diagnose Anorexie, also Magersucht. Hier waren 2017 45 AOK-Versicherte in Behandlung, hochgerechnet auf die Gesamtbevölkerung dürften das knapp 80 Betroffene gewesen sein. Über die Hälfte der Betroffenen (53 Prozent) sind unter 25 Jahre alt. Auch hier sind die Fallzahlen in den letzten Jahren drastisch gestiegen.

Bei dieser Entwicklung muss gegengesteuert werden, darüber sind sich AOK und Landratsamt einig. „Wir werden gemeinsam eine breit angelegte Gesundheitskampagne im Landkreis starten“, erklärt Sylvia Broschk, Geschäftsführerin der Kommunalen Gesundheitskonferenz vom Landratsamt Tuttlingen. „Da wir präventiv tätig werden wollen und Essstörungen sich oft in der Jugend entwickeln, werden wir gezielt 11- bis 13-Jährige ansprechen.“ Dazu werden den Schulen besondere Sensibilisierungsaktionen für ihre fünften bis siebten Klassen angeboten. Diese bestehen aus Aufführungen des Theaterstücks „Püppchen“ durch die Schauspiel-gruppe Sakramo3D mit anschließenden theaterpädagogischen Nachbereitungen im Klassenverband.

„Die Schulen werden über dieses Angebot informiert, sobald die Kooperationspartner die Vorbereitungen dafür getroffen haben“, so Sylvia Broschk. Die Präventionskampagne soll im kommenden Schuljahr umgesetzt werden.

Essstörungen sind eine ernsthafte Erkrankung, mit sehr unterschiedlichen Ursachen. Sie können auf Lösungsversuche für tieferliegende seelische Probleme hinweisen. Essstörungen begleiten Menschen unbehandelt häufig über ihren gesamten Lebensweg.

Der Landkreis und AOK weisen darauf hin, dass die Kampagne für Kinder und Jugendliche beiderlei Geschlechts wichtig und sinnvoll ist. Während von Magersucht vor allem Mädchen und junge Frauen betroffen sind, seien bei anderen Formen der Essstörungen über ein Viertel der Betroffenen Jungen bzw. Männer.