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Pressemitteilungen
27.09.2019

Angebliche Verschmutzung der Donau beim »Golem«, Tuttlingen; Umweltmeldung vom 30. August 2019

Am 30. August 2019 richtete der „Gränzbote“ eine Anfrage an das Wasserwirtschaftsamt des Landratsamtes Tuttlingen. Ein Bürger hatte sich über einen „schmierigen Dreckfilm“ im Bereich des Bootsverleihs beim „Golem“ in Tuttlingen beschwert, den er schon seit Jahren beobachte. Aus diesem Anlass hat das Wasserwirtschaftsamt weitere Untersuchungen in die Wege geleitet.

Erhebungen

Zunächst wurde der Donauabschnitt zwischen Eltamündung und Scalawehr einer optischen Überprüfung unterzogen. Des Weiteren wurden im Bereich der Donau unterhalb der Einmündung der Elta (linkes Ufer), sowie im Bereich der Donau oberhalb des Scalawehrs beim Bootssteg „Golem“ (linkes Ufer) Wasserproben zur chemischen Analyse entnommen. Am Bootssteg „Golem“ wurde durch Papierabzug eine Probe des Oberflächenfilms für die mikroskopische Untersuchung entnommen.

Bei der Inaugenscheinnahme der Donau fiel generell eine starke Trübung des Wassers auf. Die Grünfärbung lässt darauf schließen, dass die Trübung auf eine Massenentwicklung planktischer Mikroalgen zurückzuführen ist. Im Abschnitt unterhalb der Eltaeinmündung war eine deutliche Schaumbildung festzustellen. Ausgangspunkt ist der kleine Absturz der Elta an der Einmündung zur Donau. Die Schaumpolster hatten eine flache Form und wiesen einen Durchmesser von bis zu 15 cm auf. Bis zur Holzbrücke in Höhe des Stadtgartens hatten sich die Schaumflocken weitgehend wieder aufgelöst. Als Ursache für die Entstehung dieses Schaumes kommen grundsätzlich Tenside, die z.B. in Reinigungs- und Waschmitteln enthalten sind oder Eiweißstoffe, die u.a. beim Abbau von organischer Substanz (z.B. Falllaub; abgestorbene Algen und Wasserpflanzen) entstehen können, in Frage.

Entlang des gesamten Donauabschnittes war ein dünner gräulicher Belag an der Wasseroberfläche erkennbar. Im linken Uferbereich oberhalb des Scalawehrs, beim Bootssteg am „Golem“ war dieser Oberflächenfilm durch die Wasserfontäne zu größerer Dichte zusammengeschoben worden und bildete eine optisch auffällige geschlossene Schicht. Diese Schicht war durchsetzt mit diversem Müll (Plastikbecher, Chipstüten etc.). Ölige Schlieren, die Rückschlüsse auf eine Verunreinigung durch Fette, Öle oder Kraftstoffe zugelassen hätten, waren nicht erkennbar.

Analyse

Die entnommene Probe am Golem mittels Papierabzug wurde am selben Tag unter einer Stereolupe und in einem Durchlichtmikroskop begutachtet. Nach dem mikroskopischen Bild handelt es sich bei dem Oberflächenbelag im Wesentlichen um die Ansammlung toter organischer Materie natürlichen Ursprungs (abgestorbene Algen sowie sonstige partikuläre Pflanzen- und Tierreste). Die darin enthaltenen fädigen Strukturen (v.a. Algen und Pilze) bilden das Grundgerüst für einen flächigen Zusammenhalt, so dass ein geschlossener Film entsteht. Dieser Biofilm weist eine reichhaltige Mikroflora und -fauna auf (Bakterien, Grünalgen, Kieselalgen, Fadenpilze, Geißeltierchen, Wimperntierchen etc.), die den Abbau der toten organischen Bestandteile bewerkstelligen. Anzeichen für schädliche Veränderungen waren auch hier nicht erkennbar. Die Wasserproben wurden für die Untersuchung einem Chemischen Labor zugesandt. Das Ergebnis der chemischen Analyse liegt zwischenzeitlich vor.

Fazit und Allgemeine Informationen zur Untersuchung der Wasserqualität von Fließgewässern

Die Konzentration von Mineralölkohlenwasserstoffen lag unter der Nachweisgrenze (<0,1mg/l). Die Oberflächenspannung des Wassers liegt mit 73 mN/m (milli-Newton/Meter) im normalen Bereich. Ein erhöhter Anteil an Tensiden ist damit ausgeschlossen. Prinzipiell ist die Bildung von Schlieren auf Gewässern, insbesondere im Herbst, ein häufiges Phänomen. Diese Schlieren sind ein Anzeiger für einen hohen Nährstoffgehalt des Wassers in Bereichen mit wenig Verwirbelung und Strömung. Verschiedene kleinste Organismen spalten diese Nährstoffe (Laub, Einträge aus der Landwirtschaft, sonstige Tier- und Pflanzenreste) dann in Eiweiße auf und es bilden sich Schlieren und Schaum.

Im Falle der Donau in Tuttlingen sammeln sich diese Nährstoffe vor dem Golem an und es kommt zu dem beobachteten Phänomen. Ein industrieller Einfluss aus dem Einzugsgebiet der Elta oder des Krähenbaches kann aufgrund der Analytik ausgeschlossen werden. Auch die sichtbaren Kunststoffe (Plastikflaschen, Einkaufstüten, etc.) und kleinen Kunststoffteilchen werden durch eine unsachgemäße Beseitigung in das Gewässer eingetragen. Dies ist optisch auffallend und gibt ein unschönes Bild. Der Eintrag ist diffus, d.h. an vielen Orten möglich.