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Veterinärwesen und Verbraucherschutz

Blauzungenkrankheit der Wiederkäuer:

Handel mit empfänglichen Tieren (Rinder, Schafe, Ziegen, Gatterwild, Kameliden) nur bei Erfüllung bestimmter Voraussetzungen; Impfung dringend empfohlen

Weiträumiges Sperrgebiet

Nach der amtlichen Feststellung der Blauzungenkrankheit vom Serotyp 8 (Virustyp BTV-8) in einem Rinderbestand im Landkreis Rastatt wurde im Hinblick auf den Handel mit empfänglichen Tieren ein Sperrgebiet festgelegt, das ganz Baden-Württemberg und das Saarland sowie Teile von Hessen und Rheinland-Pfalz umfasst. Das Landratsamt Tuttlingen hat deshalb eine Allgemeinverfügung veröffentlicht, in der das gesamte Gebiet des Landkreises zum Sperrgebiet erklärt wird. Die Halter von empfänglichen Tieren (Rinder, Schafe, Ziegen, Gatterwild, Kameliden) sind aufgefordert, mögliche Krankheitsanzeichen der Blauzungenkrankheit unverzüglich beim Amt für Veterinärwesen und Verbraucherschutz zu melden. Wer im Landkreis Tuttlingen empfängliche Tiere hält und diese Tierhaltung noch nicht beim Landratsamt zur Registrierung angemeldet hat, bzw. wer nach der Registrierung den Ort der Tierhaltung verlegt hat, hat die Haltung und den Standort der Tiere unverzüglich dem Landratsamt Tuttlingen, Amt für Veterinärwesen und Verbraucherschutz, Luginsfeldweg 15, 78532 Tuttlingen, Tel. 07461/926-5403, veterinaeramt@landkreis-tuttlingen.de anzuzeigen.
Das Risiko, dass in Baden-Württemberg weitere Fälle von Blauzungenkrankheit festgestellt werden, ist relativ hoch. Neben der starken Ausbreitung in Frankreich mehren sich die Ausbruchszahlen auch in der Schweiz, wo zahlreiche BTV-8-Fälle auch in unmittelbarer Nähe der Grenze zu Baden-Württemberg aufgetreten sind: Betroffen waren in den vergangenen Wochen der französisch-schweizer Jura, auch das Elsass, speziell in der Schweiz das Mittelland und der Kanton Jura.

Verbringen von empfänglichen Tieren

Das Verbringen von empfänglichen Tieren innerhalb des Sperrgebiets ist wenig problematisch, die Tiere müssen jedoch auf jeden Fall gesund sein (Näheres s.u.).
Das Verbringen von empfänglichen Tieren aus dem Sperrgebiet heraus in nicht reglementierte Gebiete ist nur bei Erfüllung bestimmter, im Folgenden erläuterter Voraussetzungen möglich.
Wichtig: In der Regel ist keine formelle Genehmigung des Veterinäramts erforderlich, jedoch müssen die für den speziellen Fall festgelegten Bedingungen erfüllt sein.

Für 3 dieser festgelegten Bedingungen gibt es sogenannte „Tierhaltererklärungen“. Eine Tierhaltererklärung ist vom abgebenden Tierhalter auszustellen, beim Transport mitzuführen und im Falle von Zucht- und Nutztieren dem Tierhalter am Bestimmungsort zu übergeben, im Falle von Schlachttieren dem amtlichen Tierarzt am Schlachthof; diese bewahren die Tierhaltererklärung mindestens 5 Jahre auf.

Verbringen von empfänglichen Tieren innerhalb des Sperrgebiets:
Das Verbringen von Zucht-, Nutz- und Schlachttieren innerhalb des Sperrgebiets ist möglich, wenn die Tiere frei von Anzeichen der Blauzungenkrankheit sind. Dies hat der Tierhalter des Herkunftsbestands in der Tierhaltererklärung Sperrgebiet zu bescheinigen. Für das Verbringen innerhalb des Sperrgebiets müssen die Tiere nicht geimpft sein.

Verbringen von empfänglichen Tieren aus dem Sperrgebiet heraus in freie Gebiete innerhalb Deutschlands  

Für das Verbringen von empfänglichen Tieren aus dem Sperrgebiet in freie Gebiete innerhalb Deutschlands sind folgende 5 Optionen mit dem Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft und den anderen Bundesländern abgestimmt:

Option

zu verbringende Tiere

Verbringung möglich, wenn folgende Bedingungen erfüllt sind:

1

Geimpfte Tiere (Impfung je nach Impfstoff bei Rindern ab einem Alter von 2,5 - 3 Monaten möglich, bei Schafen ab einem   Alter von 1,5 - 2,5 Monaten)

  • Grundimmunisierung nach Angaben des Impfstoffherstellers gegen BTV-8 mit Eintragung in HIT
  • Wiederholungsimpfungen gegen   BTV-8 mit Eintragung in HIT wurden jeweils innerhalb   von einem Jahr durchgeführt*
  • Einhaltung von mindestens 60 Tagen Wartezeit nach Abschluss der Grundimmunisierung vor dem Verbringen

2

Geimpfte Tiere (Impfung je nach Impfstoff bei Rindern ab einem Alter von 2,5 - 3 Monaten möglich, bei Schafen ab einem   Alter von 1,5 - 2,5 Monaten)

  • Grundimmunisierung nach Angaben des   Impfstoffherstellers gegen BTV-8 mit Eintragung in   HIT
  • Nach 35 Tagen Wartezeit nach Abschluss der Grundimmunisierung negative virologische Untersuchung der zu verbringenden Tiere mittels PCR (aus EDTA-Blut)**

3

Kälber bis zum Alter von drei Monaten von geimpften Kühen mit Biestmilchverabreichung

  • Grundimmunisierung der   Mutterkuh nach Angaben des Impfstoffherstellers gegen BTV-8 mit Eintragung in HIT, wobei diese vier Wochen vor dem Abkalben abgeschlossen sein muss
  • Wiederholungsimpfungen der Mutterkuh gegen   BTV-8 mit Eintragung in HIT wurden jeweils innerhalb von einem Jahr durchgeführt*
  • Das Kalb muss innerhalb der ersten Lebensstunden Kolostralmilch der Mutter erhalten
  • Bestätigung dieser Voraussetzungen durch den Tierhalter durch Tierhaltererklärung Kälber 

4

Zucht- und Nutztiere ohne gültigen Impfschutz 

(Diese Regelung gilt   vorläufig nur bis zum 28.02.2019)

  • negative   Untersuchung auf BTV-8 mittels PCR (aus EDTA-Blut)** innerhalb von   sieben Tagen vor dem Verbringen; Eintragung des negativen Untersuchungsergebnisses in HIT durch das Untersuchungsamt
  • Behandlung mit Repellent nach Herstellerangaben vom Zeitpunkt der Probenahme bis zum Verbringen
  • handschriftliche Bestätigung des Tierhalters auf dem Untersuchungsantrag für PCR-Untersuchung, dass die Repellentbehandlung durchgeführt wird

5

Schlachttiere ohne gültigen Impfschutz

  • Tiere werden ausschließlich zum Schlachten verbracht
  • Bestätigung des Freiseins von Anzeichen der Blauzungenkrankheit durch den Tierhalter mittels Tierhaltererklärung Schlachttiere, die dem amtlichen Tierarzt am Schlachthof zu übergeben ist

*  eine verzögerte Nachimpfung (z. B. durch Nicht-Verfügbarkeit des Impfstoffes) wird bis zu einem Zeitraum von maximal drei Monaten Verzögerung als Auffrischung toleriert

** Die Laborkosten für 1 PCR-Untersuchung betragen 36.- € zuzüglich 19% MWSt, welche vom Tierhalter zu tragen sind (als Handelsuntersuchung). Das Untersuchungsamt kann bis zu 5 Proben für 1 Untersuchungsdurchgang poolen, sofern die Tiere aus demselben Bestand stammen.

Dringende Empfehlung zur Impfung von empfänglichen Tieren 

Um die Tiere vor einer Ansteckung zu schützen, sollten die Tierhalter, wie bereits in den vergangenen Jahren dringend empfohlen, möglichst alle Rinder, Schafe und Ziegen gegen BTV-8 und zusätzlich gegen den in Frankreich ebenfalls kursierenden Serotyp 4 (BTV-4) impfen lassen. Nur so kann eine Ausbreitung der Infektionskrankheit verhindert und die Seuche erfolgreich getilgt werden. Hinzu kommt, dass nur geimpfte Tiere aus Baden-Württemberg ohne Einschränkungen in andere Regionen verbracht werden dürfen. Die Impfung ist freiwillig. Das Land und die Tierseuchenkasse Baden-Württemberg unterstützen die Impfung wie in den vergangenen Jahren mit einem Zuschuss.
Die Impfung ist umgehend bei der betreuenden Tierarztpraxis anzumelden, damit diese gleich Impfstoff bestellen kann und unnötige Liefer-Engpässe vermieden werden können.
Aktuell ist kein Impfstoff verfügbar; spätestens ab Mitte Februar soll jedoch wieder Impfstoff lieferbar sein. Die Firma Boehringer hat einen Kombinationsimpfstoff BTV-8 mit BTV-4 angekündigt.  

Hintergrundinformationen

Die Blauzungenkrankheit ist eine virusbedingte Infektion insbesondere der Schafe und Rinder. Bei Schafen kann die Krankheit akut verlaufen, während sie bei Rindern in der Regel ohne bzw. nur mit milden Krankheitssymptomen auftritt. Ziegen, Wildwiederkäuer und Neuweltkameliden (Lamas, Alpakas) sind für die Blauzungenkrankheit ebenfalls empfänglich.

Die Erkrankung ist insbesondere durch eine Entzündung der Kopfschleimhäute (Lippen, Maulschleimhaut), der Haut des Euters und der Zitzen, Blutgefäßstauungen, Schwellungen und Blutungen gekennzeichnet. Schafe erkranken meist schwerer als Rinder und Ziegen. Erste Anzeichen einer akuten Erkrankung bei Schafen sind erhöhte Körpertemperatur, Apathie und Absonderung von der Herde. Bald nach dem Anstieg der Körpertemperatur schwellen die geröteten Maulschleimhäute an. Es kommt zu vermehrtem Speichelfluss und Schaumbildung vor dem Maul. Die Zunge kann anschwellen und aus dem Maul hängen. An den Klauen rötet sich der Kronsaum und schmerzt. Die Tiere können lahmen, und bei trächtigen Tieren kann die Krankheit zum Verlammen führen. Symptome bei Rindern sind Entzündungen der Schleimhäute im Bereich der Augenlider und der Maulhöhle, der Zitzenhaut und der Genitalien. Zudem treten Ablösungen von Schleimhäuten im Bereich der Zunge und des Mauls sowie Blasen am Kronsaum auf. Diese Erscheinungen ähneln somit Symptomen der Maul- und Klauenseuche.

Das Virus kommt weltweit in zahlreichen Serotypen vor. Es wird über winzige blutsaugende Mücken der Gattung Culicoides (Gnitzen) zwischen empfänglichen Tieren übertragen. Menschen können sich nicht infizieren.
Im August 2006 wurde BTV-8 erstmals in Deutschland festgestellt. Das Virus breitete sich in den Jahren 2007 und 2008 über einen großen Teil Deutschlands und andere Länder Mitteleuropas aus. Das gesamte Bundesgebiet wurde damals als BTV-8-Sperrgebiet ausgewiesen. Ab Ende 2009 wurde das Virus in Deutschland nicht mehr festgestellt. Eine konsequente Impfstrategie, zunächst als Pflichtimpfung, später auf freiwilliger Basis, führte seinerzeit zur raschen Tilgung der Blauzungenkrankheit in Deutschland. Seit 2016 wird in Baden-Württemberg sowohl gegen BTV-8 als auch gegen BTV-4 geimpft, weiterhin auf freiwilliger Basis und mit finanzieller Unterstützung des Landes und der Tierseuchenkasse.

Parallel zur Impfung werden seit 2007 im Rahmen eines Monitoring-Programms bei Rindern, Schafen und Ziegen sowie in geringerem Maße bei Wildwiederkäuern Untersuchungen auf Blauzungenkrankheit durchgeführt, um die Freiheit Deutschlands von Blauzungenkrankheit zu kontrollieren und im Falle eines erneuten Auftretens der Seuche schnell reagieren zu können. Bei einer solchen Monitoring-Untersuchung wurde der aktuelle Fall entdeckt.

Weitere Informationen über die Blauzungenkrankheit und die Maßnahmen des Landes finden sich im Internet unter http://www.ua-bw.de/pub/beitrag.asp?subid=5&Thema_ID=8&ID=2857&lang=DE&Pdf=No.

Landratsamt Tuttlingen
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