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Veterinärwesen und Verbraucherschutz

Blauzungenkrankheit der Wiederkäuer:

Handel mit empfänglichen Tieren (Rinder, Schafe, Ziegen, Gatterwild, Kameliden) 
nur bei Erfüllung bestimmter Voraussetzungen; Impfung weiterhin dringend empfohlen
(Stand 01.04.2020)

Weiträumiges Sperrgebiet

Im Dezember 2018 wurde in einem Rinderbestand im Landkreis Rastatt Blauzungenkrankheit vom Serotyp 8 (Virustyp BTV-8) festgestellt. Zwischenzeitlich (Stand 17.04.2020) wurde das Virus der Blauzungenkrankheit in 60 Tierbeständen in Deutschland nachgewiesen, vor allem in Baden-Württemberg (50 Fälle, hauptsächlich Südbaden), ferner in Rheinland-Pfalz (6 Fälle) und dem Saarland (4 Fälle); der letzte Nachweis datiert vom 12.11.2019 (Saarland). Was die Nachbarländer betrifft, so sind Frankreich und die Schweiz schon länger betroffen, Belgien seit 2019.
Im Hinblick auf den Handel mit empfänglichen Tieren wurde ein Sperrgebiet festgelegt; dieses umfasst inzwischen Baden-Württemberg, das Saarland und Rheinland-Pfalz insgesamt, weite Teile von Hessen und Nordrhein-Westfalen sowie den Westen von Bayern von Unterfranken bis zum Allgäu (siehe untenstehenden Link zum Friedrich-Loeffler-Institut FLI). Das Sperrgebiet muss nach dem letzten bestätigten Fall noch mindestens 2 Jahre lang bestehen bleiben. 
Das Landratsamt Tuttlingen hat eine Allgemeinverfügung veröffentlicht, in der das gesamte Gebiet des Landkreises zum Sperrgebiet erklärt wird. Die Halter von empfänglichen Tieren (Rinder, Schafe, Ziegen, Gatterwild, Kameliden) sind aufgefordert, mögliche Krankheitsanzeichen der Blauzungenkrankheit unverzüglich beim Amt für Veterinärwesen und Verbraucherschutz zu melden. Wer im Landkreis Tuttlingen empfängliche Tiere hält und diese Tierhaltung noch nicht beim Landratsamt zur Registrierung angemeldet hat, bzw. wer nach der Registrierung den Ort der Tierhaltung verlegt hat, hat die Haltung und den Standort der Tiere unverzüglich dem Landratsamt Tuttlingen, Amt für Veterinärwesen und Verbraucherschutz, Luginsfeldweg 15, 78532 Tuttlingen, Tel. 07461/926-5403, veterinaeramt@landkreis-tuttlingen.de anzuzeigen.

Verbringen von empfänglichen Tieren

Das Verbringen von empfänglichen Tieren innerhalb des Sperrgebiets ist wenig problematisch, die Tiere müssen jedoch auf jeden Fall gesund sein (Näheres s.u.).
Das Verbringen von empfänglichen Tieren aus dem Sperrgebiet heraus in nicht reglementierte Gebiete ist nur bei Erfüllung bestimmter, im Folgenden erläuterter Voraussetzungen möglich (siehe untenstehende Tabellen).
Wichtig: In der Regel ist keine formelle Genehmigung des Veterinäramts erforderlich, jedoch müssen die für den speziellen Fall festgelegten Bedingungen erfüllt sein.
Die Erfüllung dieser Bedingungen ist im Falle von Impfungen oder virologischen Untersuchungen durch den Eintrag im Herkunftssicherungs- und Informationssystem für Tiere (HIT) nachzuweisen, wobei der Tierbesitzer sich vom HIT-Eintrag eines Untersuchungsbefundes auch einen Ausdruck als Beleg erstellen kann. Für 4 der festgelegten Bedingungen gibt es sogenannte „Tierhaltererklärungen“. Eine Tierhaltererklärung ist vom abgebenden Tierhalter auszustellen, beim Transport mitzuführen und im Falle von Zucht- und Nutztieren dem Tierhalter am Bestimmungsort zu übergeben, im Falle von Schlachttieren dem amtlichen Tierarzt am Schlachthof; diese bewahren die Tierhaltererklärung mindestens 5 Jahre auf.

Verbringen von empfänglichen Tieren innerhalb des Sperrgebiets:
Das Verbringen von Zucht-, Nutz- und Schlachttieren innerhalb des Sperrgebiets ist möglich, wenn die Tiere frei von Anzeichen der Blauzungenkrankheit sind. Dies hat der Tierhalter des Herkunftsbestands in der Tierhaltererklärung Sperrgebiet zu bescheinigen. Für das Verbringen innerhalb des Sperrgebiets müssen die Tiere nicht geimpft sein. 

Verbringen von empfänglichen Tieren aus dem Sperrgebiet heraus in freie Gebiete:
Für das Verbringen von empfänglichen Tieren aus dem Sperrgebiet in freie Gebiete innerhalb Deutschlands sind gemäß den folgenden Tabellen mehrere Optionen möglich; bei einigen Optionen ist auch das Verbringen aus dem Sperrgebiet in freie Gebiete anderer EU-Länder möglich (siehe letzte Spalte der Tabellen), wobei dann immer ein amtstierärztliches Gesundheitszeugnis (TRACES-Zeugnis, „EU-Zeugnis“) ausgestellt werden muss.
Die Sonderregelungen für das Verbringen von Kälbern innerhalb Deutschlands haben sich mehrfach geändert: Ab dem 18.05.2019 war für Kälber von Kühen, die erst während der Trächtigkeit einen wirksamen Impfschutz erreicht haben, eine virologische Untersuchung verpflichtend. Diese Anforderung wurde ab dem 01.04.2020 wieder aufgehoben. Diese aktuelle Erleichterung hat 3 Gründe: Zum einen werden aufgrund der Corona-Krise Teile der staatlichen veterinärmedizinischen Laborkapazitäten für die Untersuchung auf das Coronavirus eingesetzt. Zum anderen hatten die zahlreichen virologischen Untersuchungen von Kälbern in der Vergangenheit nur sehr wenige positive Ergebnisse (in Baden-Württemberg zuletzt Ende Mai 2019, in Bayern waren alle diese Tests negativ). Im Übrigen sieht das Friedrich-Loeffler-Institut (FLI) das Risiko beim Verbringen von Kälbern von Kühen, die erst während der Trächtigkeit einen wirksamen Impfschutz erreicht haben, inzwischen als gering an.
Es bleibt jedoch dabei, dass empfängliche Tiere ohne Impfschutz oder Kälber von Kühen ohne Impfschutz unter keinen Umständen mehr aus dem Sperrgebiet in freie Gebiete innerhalb Deutschlands verbracht werden dürfen. 

Rinder: 

Option

zu verbringende Tiere

Verbringung möglich, wenn folgende Bedingungen

erfüllt sind:

DE**

 

EU***

 

1

Geimpfte Tiere

(Impfung je nach Impfstoff bei Rindern ab einem Alter von 2,5 – 3 Monaten möglich)

  • Grundimmunisierung nach Angaben des Impfstoffherstellers gegen BTV-8 mit Eintragung in HIT
  • Wiederholungsimpfungen gegen BTV-8 mit Eintragung in HIT wurden jeweils innerhalb von einem Jahr durchgeführt*
  • Einhaltung von mindestens 60 Tagen Wartezeit nach Abschluss der Grundimmunisierung vor dem Verbringen

Ja

Ja

2

Geimpfte Tiere

(Impfung je nach Impfstoff bei Rindern ab einem Alter von 2,5 – 3 Monaten möglich)

  • Grundimmunisierung nach Angaben des Impfstoffherstellers gegen BTV-8 mit Eintragung in HIT
  • Nach 35 Tagen Wartezeit nach Abschluss der Grundimmunisierung negative virologische Untersuchung mittels PCR (aus EDTA-Blut)****

Ja

Ja

    3

Kälber im Alter von bis zu 90 Tagen von Kühen, die einen wirksamen Impfschutz bereits vor dem Belegen oder erst nach dem Belegen erreicht haben

(Regelung ab 01.04.2020)

  • Grundimmunisierung des Muttertieres nach Angaben des Impfstoffherstellers gegen BTV-8 mit Eintragung in HIT; zweite Impfung der Grundimmunisierung des Muttertieres mindestens 28 Tage vor der Geburt des Kalbes
  • Das Kalb muss innerhalb der ersten Lebensstunden Kolostralmilch der Mutter erhalten
  • Bestätigung dieser Voraussetzungen durch den Tierhalter durch eine neue Tierhaltererklärung Kälber national Grundimmunisierung vor oder während Trächtigkeit

Ja

Nein

4

Kälber im Alter von
bis zu 90 Tagen
ausschließlich nach Italien oder in die Niederlande
bzw.

Kälber im Alter von
bis zu 70 Tagen
ausschließlich nach Spanien

Die folgenden Regelungen gelten aufgrund zwischenstaatlicher Vereinbarungen („Memoranden“) für das Verbringen von Kälbern

Italien und Spanien:
entweder

  • Grundimmunisierung des Muttertieres nach Angaben des Impfstoffherstellers gegen BTV-8 mit Eintragung in HIT, wobei der Impfschutz bereits vor dem Belegdatum erreicht sein muss (Zweitimpfung der Grundimmunisierung des Muttertieres 300 Tage vor der Geburt des Kalbes abgeschlossen)
  • Wiederholungsimpfungen des Muttertieres gegen BTV-8 mit Eintragung in HIT wurden jeweils innerhalb von einem Jahr durchgeführt*
  • Das Kalb muss innerhalb der ersten Lebensstunden Kolostralmilch der Mutter erhalten
  • Spanien zusätzlich: Gesamtbestand geimpft. 

 oder

  • Grundimmunisierung des Muttertieres nach Angaben des Impfstoffherstellers gegen BTV-8 mit Eintragung in HIT, wobei der wirksame Impfschutz erst nach der Belegung erreicht wird; zweite Impfung der Grundimmunisierung des Muttertieres mindestens 28 Tage vor der Geburt des Kalbes
  • Das Kalb muss innerhalb der ersten Lebensstunden Kolostralmilch der Mutter erhalten
  • negative virologische Untersuchung des Kalbes mittels PCR (aus EDTA-Blut)**** innerhalb von 7 Tagen vor dem Verbringen; Eintragung des negativen Untersuchungsergebnisses in HIT durch das Untersuchungsamt

 Niederlande:

  • Unabhängig davon, wann das Muttertier den Impfschutz erreicht hat: Stets negative virologische Untersuchung des Kalbes mittels PCR  (aus EDTA-Blut)**** innerhalb von 7 Tagen vor dem Verbringen; außerdem Repellent-Behandlung ab der Blutprobenahme

Italien, Spanien und Niederlande:
Immer EU-Zeugnis (TRACES-Zeugnis) ab Abgangsort des Sammeltransports

Nein

Nur
ITA ESP NLD

 

5

Schlachttiere ohne

gültigen Impfschutz

  • Tiere werden ausschließlich zum Schlachten verbracht
  • Bestätigung des Freiseins von Anzeichen der Blauzungenkrankheit durch den Tierhalter mittels Tierhaltererklärung Schlachttiere, die dem amtlichen Tierarzt am Schlachthof zu übergeben ist

Ja

Nein

6

Alle Rinder mit positivem BTV-Antikörpernachweis
(einschließlich geimpfte Tiere ohne gültigen Impfstatus)

  • Zweimal positiver Antikörpernachweis aus Blutproben:
    Erste Probenahme zwischen 60 und 360 Tagen vor dem Verbringen, zweite Probenahme innerhalb von 7 Tagen vor dem Verbringen.

Ja

Ja

7

Alle Rinder mit positivem BTV-Antikörpernachweis
(einschließlich geimpfte Tiere ohne gültigen Impfstatus)

  • Positiver Antikörpernachweis aus Blutprobe mindestens 30 Tage vor dem Verbringen
  • Negative virologische Untersuchung mittels PCR (aus EDTA-Blut)**** innerhalb von sieben Tagen vor dem Verbringen

Ja

Ja

*  eine verzögerte Nachimpfung (z. B. durch Nicht-Verfügbarkeit des Impfstoffes) wird bis zu einem Zeitraum von maximal drei Monaten Verzögerung als Auffrischung toleriert. Dies gilt allerdings nur für das Verbringen innerhalb von Deutschland, nicht für das innergemeinschaftliche Verbringen.

** DE: Verbringen nur innerhalb von Deutschland erlaubt.

*** EU: Verbringen innerhalb der EU erlaubt.

**** Die Laborkosten für 1 PCR-Untersuchung betragen 35.- € zuzüglich 19% MWSt, welche grundsätzlich vom Tierhalter zu tragen sind (als Handelsuntersuchung). Das Untersuchungsamt kann bis zu 5 Proben für 1 Untersuchungsdurchgang poolen, sofern die Tiere aus demselben Bestand stammen.

 

Schafe, Ziegen, Gatterwild: 

Option

zu verbringende Tiere

Verbringung möglich, wenn folgende Bedingungen

erfüllt sind:

DE**

 

EU***

 

1

Geimpfte Tiere

(Impfung je nach Impfstoff bei Schafen ab einem Alter von 1,5 – 2,5 Monaten möglich)

  • Grundimmunisierung nach Angaben des Impfstoffherstellers gegen BTV-8 mit Eintragung in HIT
  • Wiederholungsimpfungen gegen BTV-8 mit Eintragung in HIT wurden jeweils innerhalb von einem Jahr durchgeführt*
  • Einhaltung von mindestens 60 Tagen Wartezeit nach Abschluss der Grundimmunisierung vor dem Verbringen
  • Bestätigung der Impfung durch den Tierhalter durch Tierhaltererklärung Schaf Ziege geimpft (bei Schafen und Ziegen ist, im Gegensatz zu Rindern, die Impfung von Einzeltieren nicht aus HIT erkennbar, weil bei Schafen und Ziegen nur Bestandsimpfungen  eingegeben werden können)

Ja

Ja

2

Geimpfte Tiere

(Impfung je nach Impfstoff bei Schafen ab einem Alter von 1,5 – 2,5 Monaten möglich)

  • Grundimmunisierung nach Angaben des Impfstoffherstellers gegen BTV-8 mit Eintragung in HIT
  • Nach 35 Tagen Wartezeit nach Abschluss der Grundimmunisierung negative virologische Untersuchung mittels PCR (aus EDTA-Blut)****
  • Bestätigung der Impfung durch den Tierhalter durch Tierhaltererklärung Schaf Ziege geimpft (bei Schafen und Ziegen ist, im Gegensatz zu Rindern, die Impfung von Einzeltieren nicht aus HIT erkennbar, weil bei Schafen und Ziegen nur Bestandsimpfungen  eingegeben werden können)

Ja

Ja

3

Schlachttiere ohne

gültigen Impfschutz

  • Tiere werden ausschließlich zum Schlachten verbracht
  • Bestätigung des Freiseins von Anzeichen der Blauzungenkrankheit durch den Tierhalter mittels Tierhaltererklärung Schlachttiere, die dem amtlichen Tierarzt am Schlachthof zu übergeben ist

Ja

Nein

4

Alle Tiere mit positivem BTV-Antikörpernachweis
(einschließlich geimpfte Tiere ohne gültigen Impfstatus)

  • Zweimal positiver Antikörpernachweis aus Blutproben:
    Erste Probenahme zwischen 60 und 360 Tagen vor dem Verbringen, zweite Probenahme innerhalb von 7 Tagen vor dem Verbringen. 

Ja

Ja

5

Alle Tiere mit positivem BTV-Antikörpernachweis
(einschließlich geimpfte Tiere ohne gültigen Impfstatus)

  • Positiver Antikörpernachweis aus Blutprobe mindestens 30 Tage vor dem Verbringen
  • Negative virologische Untersuchung mittels PCR (aus EDTA-Blut)**** innerhalb von sieben Tagen vor dem Verbringen

Ja

Ja

*  eine verzögerte Nachimpfung (z. B. durch Nicht-Verfügbarkeit des Impfstoffes) wird bis zu einem Zeitraum von maximal drei Monaten Verzögerung als Auffrischung toleriert. Dies gilt allerdings nur für das Verbringen innerhalb von Deutschland, nicht für das innergemeinschaftliche Verbringen.

** DE: Verbringen nur innerhalb von Deutschland erlaubt.

*** EU: Verbringen innerhalb der EU erlaubt.

**** Die Laborkosten für 1 PCR-Untersuchung betragen 35.- € zuzüglich 19% MWSt, welche grundsätzlich vom Tierhalter zu tragen sind (als Handelsuntersuchung). Das Untersuchungsamt kann bis zu 5 Proben für 1 Untersuchungsdurchgang poolen, sofern die Tiere aus demselben Bestand stammen.


Dringende Empfehlung zur Impfung von empfänglichen Tieren 

Um die Tiere vor einer Ansteckung zu schützen, sollten die Tierhalter, wie bereits in den vergangenen Jahren dringend empfohlen, möglichst alle Rinder, Schafe und Ziegen gegen BTV-8 impfen lassen, zusätzlich auch gegen den Serotyp 4 (BTV-4), der in Frankreich ebenfalls schon aufgetreten ist. Nur so kann eine Ausbreitung der Blauzungenkrankheit verhindert und die Tierseuche erfolgreich getilgt werden. Hinzu kommt, dass nur geimpfte Tiere aus Baden-Württemberg ohne Einschränkungen in andere Regionen verbracht werden dürfen. Die Impfung ist freiwillig. Das Land und die Tierseuchenkasse Baden-Württemberg unterstützen die Impfung wie in den vergangenen Jahren mit einem Zuschuss.
Die Impfung ist umgehend bei der betreuenden Tierarztpraxis anzumelden, damit diese gleich Impfstoff bestellen kann und unnötige Liefer-Engpässe vermieden werden können.

Hintergrundinformationen

Die Blauzungenkrankheit ist eine virusbedingte Infektion insbesondere der Schafe und Rinder. Bei Schafen kann die Krankheit akut verlaufen, während sie bei Rindern in der Regel ohne bzw. nur mit milden Krankheitssymptomen auftritt. Ziegen, Wildwiederkäuer und Neuweltkameliden (Lamas, Alpakas) sind für die Blauzungenkrankheit ebenfalls empfänglich.

Die Erkrankung ist insbesondere durch eine Entzündung der Kopfschleimhäute (Lippen, Maulschleimhaut), der Haut des Euters und der Zitzen, Blutgefäßstauungen, Schwellungen und Blutungen gekennzeichnet. Schafe erkranken meist schwerer als Rinder und Ziegen. Erste Anzeichen einer akuten Erkrankung bei Schafen sind erhöhte Körpertemperatur, Apathie und Absonderung von der Herde. Bald nach dem Anstieg der Körpertemperatur schwellen die geröteten Maulschleimhäute an. Es kommt zu vermehrtem Speichelfluss und Schaumbildung vor dem Maul. Die Zunge kann anschwellen und aus dem Maul hängen. An den Klauen rötet sich der Kronsaum und schmerzt. Die Tiere können lahmen, und bei trächtigen Tieren kann die Krankheit zum Verlammen führen. Symptome bei Rindern sind Entzündungen der Schleimhäute im Bereich der Augenlider und der Maulhöhle, der Zitzenhaut und der Genitalien. Zudem treten Ablösungen von Schleimhäuten im Bereich der Zunge und des Mauls sowie Blasen am Kronsaum auf. Diese Erscheinungen ähneln somit Symptomen der Maul- und Klauenseuche.

Das Virus kommt weltweit in zahlreichen Serotypen vor. Es wird über winzige blutsaugende Mücken der Gattung Culicoides (Gnitzen) zwischen empfänglichen Tieren übertragen. Menschen können sich nicht infizieren. 

Im August 2006 wurde BTV-8 erstmals in Deutschland festgestellt. Das Virus breitete sich in den Jahren 2007 und 2008 über einen großen Teil Deutschlands und andere Länder Mitteleuropas aus. Das gesamte Bundesgebiet wurde damals als BTV-8-Sperrgebiet ausgewiesen. Eine konsequente Impfstrategie, zunächst als Pflichtimpfung, später auf freiwilliger Basis, führte seinerzeit zur raschen Tilgung der Blauzungenkrankheit in Deutschland. Ab Ende 2009 wurde das Virus in Deutschland nicht mehr festgestellt – bis zum Dezember 2018.
Seit 2016 wird in Baden-Württemberg sowohl gegen BTV-8 als auch gegen BTV-4 geimpft, weiterhin auf freiwilliger Basis und mit finanzieller Unterstützung des Landes und der Tierseuchenkasse.

Parallel zur Impfung wurden seit 2007 im Rahmen eines Monitoring-Programms bei Rindern, Schafen und Ziegen sowie in geringerem Maße bei Wildwiederkäuern Untersuchungen auf Blauzungenkrankheit durchgeführt, um die Freiheit Deutschlands von Blauzungenkrankheit zu kontrollieren und im Falle eines erneuten Auftretens der Seuche schnell reagieren zu können. Bei einer solchen Monitoring-Untersuchung wurde im Dezember 2018 der Fall im Landkreis Rastatt entdeckt.

Weitere Informationen über die Blauzungenkrankheit und die Maßnahmen des Landes finden sich im Internet
unter http://www.ua-bw.de/pub/beitrag.asp?subid=5&Thema_ID=8&ID=2876&lang=DE&Pdf=No 
sowie https://www.fli.de/de/aktuelles/tierseuchengeschehen/blauzungenkrankheit/.

Landratsamt Tuttlingen
Amt für Veterinärwesen und Verbraucherschutz
Luginsfeldweg 15
78532 Tuttlingen
Telefon: 07461/926-5403
veterinaeramt@landkreis-tuttlingen.de