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Forst
16.06.2020

Schneebruch Heuberg 2019 - eine Bilanz, offene Fragen und Ausblick Information für Privatwaldbesitzende

Die besondere Wetterlage um Dreikönig 2019 führte zu massiven Schneebruchschäden der Fichtenbestände in Lagen zwischen 800 m und 1000 m über Meereshöhe.

Insgesamt sind ca. 100.000 Fm Schneebruchholz angefallen und aufgearbeitet worden. Im gesamten vom Landkreis betreuten Privat- und Kommunalwald wurden im Jahr 2019 170.000 Fm aufgearbeitet und vermarktet. In Normaljahren sind dies rund 110.000 Fm. Schwerpunktreviere waren die Privatwälder im Revier Mahlstetten sowie die Reviere Reichenbach, Kolbingen, Dürbheim und Wehingen.

Übersicht Hauptschadgebiete (KW Kommunalwald; PW Privatwald)
Einschlag Kommunal- und Privatwald (ohne Staatswald)

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Übersicht Hauptschadgebiete Einschlag Kommunal- und Privatwald (ohne Staatswald)

Die Tabelle zeigt das Schadausmaß, das zusätzlich in kurzer Zeit zu bewältigen war. Der kleinparzellierte Privatwald war stärker als der Kommunalwald betroffen. In den Hochlagen um Böttingen waren die Schäden am höchsten. Der Privatwald war dort mit durchschnittlich 70 Fm/ha zehn Mal so stark betroffen wie der Kommunalwald.

Nach dem Trockenjahr 2018 waren die Prognosen für eine Borkenkäferkalamität eindeutig. Die forstliche Versuchs- und Forschungsanstalt Freiburg ging von einer bestandesbedrohenden Entwicklung aus, falls es nicht gelingt das Brutmaterial des Käfers (Schneebruchholz) zu beseitigen. Es war offensichtlich, dass die Schneebruchaufarbeitung in der gegebenen Besitz- und Parzellenstruktur durch die Waldbesitzenden alleine nicht leistbar sein würde. Daher wurdefrühzeitig entschieden ein „Schneebruchprojekt“ anzugehen.

Die Meilensteine der Schneebruchbewältigung waren:

1. Erfassung Schadausmaß, Strategie entwickeln, rechtliche Klärungen, Entscheidung überdas Vorgehen, Sicherung von Aufarbeitungs- und Vermarktungskapazität.

2. Information und Organisation von knapp 3000 Privatwaldbesitzenden, um diese für diesesThema zu sensibilisieren und für eine gemeinsame Aktion zu gewinnen.

3. Bestände vorbereiten, Aufarbeitung organisieren, Schadausmaß erheben.

4. Umsetzung der Aufarbeitung und Konzentration aller Kapazitäten in den Schadregionen (Unternehmer, Unterstützungsrevierleiter, zusätzliche Zeitverträge)

5. Abrechnung, Zuordnung und Aufteilung der Gesamtmassen Schneebruch- und Käferholz imPrivatwald von ca. 60.000 Fm. Rund 800 Waldbesitzende bei jeweils durchschnittlich 5 Losen mit je 10-20 Einzelpositionen.

Über ein Jahr später

Im extrem kleinflächig parzellierten Privatwaldbesitz konnten die Schäden größtenteils aufgearbeitet werden. Das Hauptziel der Vermeidung einer Käfermassenvermehrung konnte bis jetzt erreicht werden.

Besonders erfreulich ist es, dass es keine schweren Unfälle im Schneebruchgeschehen gab, und dass der Wald die ersten größeren Winterstürme „Sabine und Bianca“ sehr gut überstanden hat.

Fragen und offene Baustellen

Warum gibt es noch Waldbesitzer die keine Abrechnung haben?

Von den fünf genannten Meilensteinen, ist dies der letzte Meilenstein. Im Nachgang ist festzuhalten, dass die Strukturnachteile dieser Kleinparzellen im Privatwald, die häufig fehlende Erschließung und meist zurückhaltende Pflege, nicht nur in der Aufarbeitung, sondern insbesondere auch in der Abwicklung, zu einem enormen Arbeitsaufwand führt. In den Blockabrechnungen (den gemeinsam bearbeiteten, größeren Schwerpunktbereichen) konnte mit der Abrechnung erst begonnen werden, als die letzten Werksmaßprotokolle Ende November vorlagen.Richtig war die Entscheidung insbesondere um Böttingen in Blöcken aufzuarbeiten und abzurechnen. Vom Forstamt deutlich unterschätzt wurde der Aufwand diese gemeinschaftliche Aufarbeitung wieder in saubere Einzelabrechnungen aufzusplitten.
Seither sind die KollegInnen daran, diese Abrechnungen voranzutreiben und voraussichtlich bis Mitte Juni fertig zu stellen. Bei einem dreiwöchigen Zahlungsziel der Käufer erhalten die Waldbesitzer ihre Abrechnungen dann bis Mitte Juli. Für die Dauer der letzten Abrechnungen bitte ich daher um Verständnis.

Ist eine Förderung noch möglich?

Sofern Waldbesitzer die Aufarbeitungshilfe 2019 (3 €/Fm Schadholz) in Anspruch nehmen möchten, ist dieses auch im Juli und August 2020 noch möglich (Voraussetzung Mindestmenge 83 Fm).

Es gibt Waldbesitzer die nicht oder nicht sauber genug aufgearbeitet haben - ist das Forstamt inkonsequent?

In erster Linie ist jeder Waldbesitzer für sein Eigentum und die Erfüllung seiner Nachbarschaftspflichten verantwortlich. Es ist sehr erfreulich, dass auf dem Heuberg im Schneebruchgeschehen diese Großaktion gelungen ist. Das Schadausmaß hat die Möglichkeiten vieler Waldbesitzer überschritten. Nun muss der einzelne Waldbesitzer wieder verstärkt Verantwortung für sein Eigentum übernehmen. Ersatzvornahmen, mit behördlichem Eingriff ins Eigentum wurden nur vorgenommen, wenn dieses im Rahmen der Aufarbeitungskonzeption umsetzbar war. Waldbesitzer werden im Rahmen der Möglichkeiten durch Beratung und Betreuung auch weiterhin unterstützt.

Wieso hat man in Teilen Restholz gehackt und anderen Teilen nicht?

Vorrangiges Ziel war die Beseitigung von bruttauglichem Material. Solange die Abnahme von Hackschnitzeln (rund 13.000 m³) möglich war, erfolgte dies. Gemulcht wurde im Rahmen eines Pilotprojektes, solange das Restholz mit nicht fertigen Käferlarven besetzt war. Je nach Zeitpunkt und Situation wurden die Möglichkeiten ausgenutzt.

Warum mussten manche Waldbesitzer Defizite hinnehmen?

Bei einem ordentlichen Marktumfeld zu Jahresbeginn 2019 waren auch die Erwartungen einen positiven Deckungsbeitrag zu erzielen seitens des Forstamtes hoch. Ab dem zweiten Quartal 2019 verschlechterten sich die Bedingungen am Holzmarkt für alle Sorten (z.B. Rückgang der Frischholzpreise um 30% auf 40 bis 50 €/Fm). Der Markt für das überwiegend anfallende Papierholz war schnell überfüllt. Dieses Sortiment konnte nur durch eine umfangreiche Zwischenlagerung in großen Pufferlagern am Markt untergebracht werden. Je schwächer die Bestände waren, desto kritischer und schwieriger wurde es im Laufe der Zeit positive Deckungsbeiträge zu erzielen. In der aktuellen Marktlage (2020) hätte das Schneebruchgeschehen dazu geführt, dass überwiegend negative Deckungsbeiträge entstanden wären.

Fazit:

Trotz mancher Schwierigkeiten ist es unter Mitwirkung vieler Beteiligter gelungen die Schneebruchschäden aufzuarbeiten. Hierfür danke ich seitens des Fortamtes allen Beteiligten. Allen Privatwaldbesitzern, die umsichtig und zügig ihren Wald selbst aufgeräumt haben. Allen Privatwaldbesitzern, die sich von manchen Gewohnheiten und Traditionen gelöst haben und eine vollmechanisierte Aufarbeitung ermöglicht haben. Bei den Landwirten, die ihre Flächen für die Pufferlager bereitgestellt haben. Allen Unternehmern die monatelang im Schneebruchholz bei schwierigsten Grenzverläufen und Kleinparzellen ihr Bestes gegeben haben. Bei unsren Unternehmenskoordinatoren und Kunden, die sich als starke Partner intensiv eingebracht haben. Bei allen Kolleginnen und Kollegen, die viele Unterstützungsstunden in den Schadrevieren geleistet haben und derzeit die Abrechnungen vorantreiben.

Wie geht es weiter?

  • Das Forstamt arbeitet weiterhin mit hoher Priorität an den offenen Abrechnungen.
  • Mittel- und langfristig wird dringend empfohlen die Schneebruchwälder - häufig Fichtenreinbestände - in stabilere Mischwälder umzubauen. Durch den Schneebruch wurden die Wälder aktuell sehr stark labilisiert. Es bleibt zu hoffen, dass diese nicht nur diesen Winter, sondern auch zukünftige Ereignisse und die aktuelle Käferkalamität, gut überstehen.
  • In Beständen mit gewissen Mischbaumartanteilen wird die Naturverjüngung einsetzen und sich eine mischbaumartenreichere Folgegeneration etablieren. Entscheidend hierfür ist, dass dieses Angebot gedeihen kann und nicht durch Verbiss gefährdet wird. Die Verantwortung der Jägerschaft für einen erfolgreichen Waldbau ist grundsätzlich von entscheidender Bedeutung. Dies gilt besonders nach Schadereignissen aber auch im Klimawandel.
  • In manchen Bereichen wird es sich anbieten, aktive Umbaumaßnahmen vorzunehmen. Hierfür wird eine Strategie entwickelt werden müssen. Das Land reagiert aktuell mit neuen Förderrichtlinien. Aber auch hier wird sich das enorme Strukturproblem, der Kleinparzellen zeigen.
  • Ein positiver Effekt des Schneebruches ist die technische Erschließung vieler Privatwaldflächen. Bei hoffentlich besseren Markt- und Witterungsbedingungen in den nächsten Jahren, sollte diese Chance unbedingt genutzt werden, in regelmäßige Pflegeeingriffe einzusteigen.

Schlussbemerkung:

Die Bedrohung durch den Borkenkäfer ist nach wie vor sehr akut. Die Marktlage ist deutlich schwieriger als im vergangenen Jahr. Das heißt, dass bei einer Unternehmeraufarbeitung oft mit negativen Deckungsbeiträgen zu rechnen ist.

Es geht aber nicht mehr um die Erwirtschaftung von Erträgen, sondern um die Vermeidung von weiteren Folgeschäden in ihren Wäldern. Daher sind auch dieses Jahr alle Waldbesitzerinnen und Waldbesitzer aufgerufen akute Käferbäume rasch aus dem Wald zu bringen und eine Ausbreitung des Borkenkäfers zu minimieren. Dürre Bäume ohne Rinde stellen keine Gefahr mehr dar und können stehen bleiben bzw. sollten nur gefällt werden, wenn sie ein Verkehrssicherungsproblem darstellen.

Die grundsätzlichen Strukturprobleme lassen sich nur schwer lösen. Ein kurzfristiger Ansatz für eine Verbesserung ist eine verstärkte Nachbarschaftshilfe. Mittelfristig hilft es, wenn sich mehr Waldbesitzer an organisierten, planmäßigen Pflegemaßnahmen beteiligen. Langfristig optimal und vermutlich ein Wunschtraum bleiben Genossenschaftswälder zum Zwecke einer gemeinschaftlichen Bewirtschaftung.