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4.2.1 Wohnen ohne Barrieren, Wohnungsanpassung und Wohnberatung

Aktuelle Studien belegen, dass das Angebot an altersgerechten Wohnungen bei weitem nicht ausreicht. Aufgrund der demografischen und gesellschaftlichen Entwicklung wird der Bedarf an seniorengerechten Wohnungen künftig weiter zunehmen. Schon allein um eine bedarfsdeckende Versorgung der ambulant versorgten Pflegebedürftigen mit altersgerechten Wohnungen zu realisieren, wären in großem Umfang Neubau- und Umbaumaßnahmen erforderlich.

Barrierefreie Wohnungen erleichtern nicht nur Menschen mit bereits vorhandenen Einschränkungen das Leben. Es geht auch um präventive Effekte, wenn in Seniorenhaushalten Unfallgefahren beseitigt und Handhabungen vereinfacht werden. Unstrittig ist, dass auf diese Weise Krankenhaus- und Pflegeheimeinweisungen reduziert werden und erhebliche Ausgaben12 eingespart werden können. Nach wie vor ist das eigene Haus oder die lange bewohnte Wohnung mit ihren unüberwindbaren Hindernissen einer der Hauptgründe für den Umzug in eine Pflegeeinrichtung.

Den allgemeinen Mietwohnungsmarkt im Landkreis Tuttlingen betreffend, sind in der vergangenen Zeit einige Neubauten mit Barrierefreiheit entstanden. Aus der Erfahrung heraus fehlt in den Kommunen des Landkreises trotzdem eine hohe Anzahl an bezahlbaren barrierefreien Wohnungen.

Obgleich nicht jede Wohnung altersgerecht angepasst werden kann, steckt doch im Wohnungsbestand ein enormes Potenzial, dass genutzt werden muss, wenn man erreichen will, dass Menschen mit körperlichen und kognitiven Einschränkungen möglichst lange in ihrem sozialen Wohnumfeld bleiben können. Wohnanpassungsmaßnahmen werden bislang noch zu wenig als notwendige und effiziente Interventions- und Optimierungsform im Wohnbestand genutzt, die sowohl die Selbständigkeit erheblich fördern als auch Angehörige von älteren Menschen spürbar entlasten kann.

Die erforderlichen Anpassungen von Wohnungen und Wohnumfeld können in größerem Umfang nur durch den verstärkten Einsatz von Wohnberatung in Verbindung mit Instrumenten der kommunalen Wohnungspolitik und in enger Kooperation mit der Wohnungswirtschaft gelingen.

Wohnberatung richtet sich an Senioren und deren Angehörige, aber auch an Pflegefachkräfte, Handwerker, Architekten und die Wohnungswirtschaft. Wohnberatung wird bislang in einem geringeren Umfang auch durch unseren Pflegestützpunkt geleistet, sollte aber intensiviert werden. Ambulante Dienste können, da sie regelmäßig in die Wohnungen älterer Menschen kommen, oft wertvolle Hinweise zur Wohnungsanpassung geben. Den Stellenwert von Wohnberatung haben auch Handel und Gewerbe inzwischen erkannt. Immer mehr Handwerksbetriebe, Sanitätshäuser und auch Wohnbauunternehmen werben mit diesem Angebot um die älter werdende Kundschaft.


12 Eine vom Bundesbauministerium beauftragte Studie des Bundesinstituts für Bau-, Stadt- und Raumforschung zur Potentialanalyse altersgerechter Wohnungsanpassung aus dem Jahr 2014 hat ermittelt, dass durch eine ausreichende Anzahl altersgerechter Wohnungen in erheblichem Umfang Pflegekosten eingespart würden, weil Senioren dann länger zu Hause leben könnten. Die Studie geht von einem möglichen Gesamt-Einsparpotenzial in Höhe von mehreren Milliarden(!) Euro pro Jahr aus, „wenn zumindest für alle häuslich versorgten Pflegebedürftigen eine altersgerechte Wohnung zur Verfügung stünde.“

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