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2.2 Einkommenssituation

Die materielle Lage im Alter ergibt sich aus den im Laufe des Lebens gesammelten Alterssicherungsansprüchen, dem privaten Vermögen und sonstigem Einkommen. Die wichtigsten Einkommensquellen der Bevölkerung über 65 Jahren sind die gesetzliche Rente, andere Alterssicherungssysteme (z. B. Beamtenversorgung, Betriebsrenten), private Vorsorge (z.B. private Renten- oder Lebensversicherung), Erwerbstätigkeit und Vermögenseinkünfte (z. B. aus Zinsen, Vermietungen) sowie staatliche Transferleistungen wie Wohngeld oder Grundsicherung im Alter. 94 Prozent der älteren Männer und 82 Prozent der älteren Frauen erhalten eine Rente oder Pension. Bei den Männern handelt es sich dabei in aller Regel um eine Rente aus eigener Versicherung. Von den Frauen, die eine Rente erhalten, trifft dies auf knapp 60 Prozent zu. 12 Prozent der Frauen erhalten eine Hinterbliebenenrente und weitere 29 Prozent erhalten eine Kombination aus beiden Versicherungsarten. Frauen erhalten durchschnittlich monatliche Renten, die halb so hoch sind wie die von Männern und sind deshalb auch auf Einkünfte von nahen Familienangehörigen angewiesen.2

Die durchschnittlichen monatlichen Haushaltsnettoeinkommen von Senioren in Baden-Württemberg lagen im Jahr 2011 mit 2.835 € in der Altersgruppe der 65-70-jährigen, 2.581 € bei den 70-80-jährigen und 2.259 € bei den über 80-jährigen niedriger als die  Nettoeinkommen der baden-württembergischen Haushalte insgesamt, die durchschnittlich 3.329 € betrugen.3

Hinter den Durchschnittszahlen verbergen sich jedoch erhebliche Einkommensunterschiede. Im Hinblick auf Bildungsstand, Geschlecht oder ethnische Zugehörigkeit verfügen einzelne Bevölkerungsgruppen über deutlich unter dem Durchschnitt liegende Einkommen. Wie viele Seniorinnen und Senioren tatsächlich von Armut betroffen sind, lässt sich aus den Angaben zum monatlichen Nettoeinkommen nicht eindeutig erkennen, da vorhandenes Wohneigentum oder sonstiges Vermögen nicht berücksichtigt wird.

Die Entwicklung der Zahl der Leistungsempfänger von Grundsicherung kann jedoch als ein Indikator dafür, wie viele ältere Menschen an der Armutsgrenze leben, herangezogen werden. Anspruch auf Leistungen der Grundsicherung haben Menschen, die das 65. Lebensjahr überschritten haben, wenn ihr Einkommen so gering ist, dass sie damit den Lebensbedarf nicht decken können.

Im Jahr 2015 erhielten im Landkreis Tuttlingen 555 Menschen Grundsicherung im Alter.4 Das entspricht 2,1 Prozent aller über 65jährigen. Im Jahr 2013 waren es noch 485 Leistungsempfänger, sprich 1,8 % aller über 65jährigen. Das ist eine Zunahme um fast 14 Prozent in zwei Jahren. Im Landesdurchschnitt erhielten im Jahr 2015 insgesamt 2,4 % aller über 65jährigen Grundsicherung im Alter.


2 Familienforschung Baden-Württemberg, 2014: Einkommenslage älterer Menschen. Sozioökonomische Lebenslagen in Baden-Württemberg, S. 11 und S. 14.

3 Statistisches Landesamt Baden-Württemberg, 2011: Einnahmen und Ausgaben privater Haushalte in Baden-Württemberg sowie Aufwendungen für den privaten Verbrauch, in: Statistische Berichte Baden-Württemberg, Artikel-Nr. 4144 08001, S. 12.

4 Statistisches Landesamt Baden-Württemberg, 2015: Empfänger von Grundsicherung im Alter und bei Erwerbsminderung in Baden-Württemberg am 31. Dezember 2015.

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