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Pressemitteilungen
17.12.2018

Sperrgebiet wegen Blauzungenkrankheit betrifft auch die Tierhaltungen im Landkreis Tuttlingen

Nach der amtlichen Feststellung der Blauzungenkrankheit vom Serotyp 8 (Virustyp BTV-8) in einem Rinderbestand im Landkreis Rastatt wurde im Hinblick auf den Handel mit Wiederkäuern ein Sperrgebiet festgelegt, das ganz Baden-Württemberg und das Saarland sowie Teile von Hessen und Rheinland-Pfalz umfasst. Das Landratsamt Tuttlingen hat deshalb eine Allgemeinverfügung veröffentlicht, in der das gesamte Gebiet des Landkreises zum Sperrgebiet erklärt wird.

Die Halter von Rindern, Schafen, Ziegen, anderen Wiederkäuern sowie Lamas und Alpakas sind aufgefordert, mögliche Krankheitsanzeichen der Blauzungenkrankheit unverzüglich beim Amt für Veterinärwesen und Verbraucherschutz zu melden. Wer im Landkreis Tuttlingen Wiederkäuer hält und diese Tierhaltung noch nicht beim Landratsamt zur Registrierung angemeldet hat, bzw. wer nach der Registrierung den Ort der Tierhaltung verlegt hat, hat die Haltung und den Standort der Tiere unverzüglich dem Landratsamt Tuttlingen, Amt für Veterinärwesen und Verbraucherschutz, Luginsfeldweg 15, 78532 Tuttlingen, Tel. 07461/926-5403, veterinaeramt@landkreis-tuttlingen.de anzuzeigen.

Das Verbringen von Wiederkäuern aus dem Sperrgebiet in nicht reglementierte Gebiete ist verboten, soweit und solange vom Landratsamt Tuttlingen keine Ausnahmegenehmigung erteilt wurde. Wesentliche Voraussetzung für eine Ausnahmegenehmigung ist, dass die Tiere einen wirksamen Impfschutz gegen die Blauzungenkrankheit haben. Kälber von Kühen mit einem wirksamen Impfschutz, die innerhalb der ersten sechs Lebensstunden Kolostralmilch von ihren Muttertieren bekommen haben, können innerhalb von Deutschland in ein BTV-8-freies Gebiet verbracht werden. Hierzu ist vom Landwirt die sogenannte Tierhaltererklärung auszufüllen, wenn diese Voraussetzungen erfüllt sind. Schlachttiere, die nicht geimpft sind, können direkt zu einem Schlachthof in Baden-Württemberg transportiert werden, für Schlachtungen außerhalb gelten besondere Regelungen.

Das Risiko, dass in Baden-Württemberg weitere Fälle von Blauzungenkrankheit festgestellt werden, ist relativ hoch. Neben der starken Ausbreitung in Frankreich mehren sich die Ausbruchszahlen auch in der Schweiz, wo zahlreiche BTV-8-Fälle in unmittelbarer Nähe der Grenze zu Baden-Württemberg aufgetreten sind: Betroffen waren in den vergangenen Wochen der französisch-schweizer Jura, auch das Elsass, speziell in der Schweiz das Mittelland und der Kanton Jura.

Um die Tiere vor einer Ansteckung zu schützen, sollten die Tierhalter in den kommenden Jahren möglichst alle Rinder, Schafe und Ziegen gegen BTV-8 und zusätzlich gegen den in Frankreich ebenfalls kursierenden Serotyp 4 (BTV-4) impfen lassen. Nur so kann eine Ausbreitung der Infektionskrankheit verhindert und die Seuche erfolgreich getilgt werden. Hinzu kommt, dass nur geimpfte Tiere aus Baden-Württemberg ohne Einschränkungen in andere Regionen verbracht werden dürfen. Die Impfung ist freiwillig. Das Land und die Tierseuchenkasse Baden-Württemberg unterstützen die Impfung mit einem Zuschuss.

Hintergrundinformationen:

Die Blauzungenkrankheit ist eine virusbedingte Infektion insbesondere der Schafe und Rinder. Bei Schafen kann die Krankheit akut verlaufen, während sie bei Rindern in der Regel ohne bzw. nur mit milden Krankheitssymptomen auftritt. Ziegen, Wildwiederkäuer und Neuweltkameliden (Lamas, Alpakas) sind für die Blauzungenkrankheit ebenfalls empfänglich.

Die Erkrankung ist insbesondere durch eine Entzündung der Kopfschleimhäute (Lippen, Maulschleimhaut), der Haut des Euters und der Zitzen, Blutgefäßstauungen, Schwellungen und Blutungen gekennzeichnet. Schafe erkranken meist schwerer als Rinder und Ziegen. Erste Anzeichen einer akuten Erkrankung bei Schafen sind erhöhte Körpertemperatur, Apathie und Absonderung von der Herde. Bald nach dem Anstieg der Körpertemperatur schwellen die geröteten Maulschleimhäute an. Es kommt zu vermehrtem Speichelfluss und Schaumbildung vor dem Maul. Die Zunge kann anschwellen und aus dem Maul hängen. An den Klauen rötet sich der Kronsaum und schmerzt. Die Tiere können lahmen und bei trächtigen Tieren kann die Krankheit zum Verlammen führen. Symptome bei Rindern sind Entzündungen der Schleimhäute im Bereich der Augenlider und der Maulhöhle, der Zitzenhaut und der Genitalien. Zudem treten Ablösungen von Schleimhäuten im Bereich der Zunge und des Mauls sowie Blasen am Kronsaum auf. Diese Erscheinungen ähneln somit Symptomen der Maul- und Klauenseuche.

Das Virus kommt weltweit in zahlreichen Serotypen vor. Es wird über winzige blutsaugende Mücken der Gattung Culicoides (Gnitzen) zwischen empfänglichen Tieren übertragen. Menschen können sich nicht infizieren.

Im August 2006 wurde BTV-8 erstmals in Deutschland festgestellt. Das Virus breitete sich in den Jahren 2007 und 2008 über einen großen Teil Deutschlands und andere Länder Mitteleuropas aus. Das gesamte Bundesgebiet wurde damals als BTV-8-Sperrgebiet ausgewiesen. Ab Ende 2009 wurde das Virus in Deutschland nicht mehr festgestellt. Eine konsequente Impfstrategie, zunächst als Pflichtimpfung, später auf freiwilliger Basis, führte seinerzeit zur raschen Tilgung der Blauzungenkrankheit in Deutschland. Seit 2016 wird in Baden-Württemberg sowohl gegen BTV-8 als auch gegen BTV-4 geimpft, weiterhin auf freiwilliger Basis und mit finanzieller Unterstützung des Landes und der Tierseuchenkasse.

Parallel zur Impfung werden seit 2007 im Rahmen eines Monitoring-Programms bei Rindern, Schafen und Ziegen sowie in geringerem Maße bei Wildwiederkäuern Untersuchungen auf Blauzungenkrankheit durchgeführt, um die Freiheit Deutschlands von Blauzungenkrankheit zu kontrollieren und im Falle eines erneuten Auftretens der Seuche schnell reagieren zu können. Bei einer solchen Monitoring-Untersuchung wurde der aktuelle Fall entdeckt.

Weitere Informationen über die Blauzungenkrankheit und die Maßnahmen des Landes finden sich im Internet unter http://www.ua-bw.de/pub/beitrag.asp?subid=5&Thema_ID=8&ID=2857&lang=DE&Pdf=No