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Pressemitteilungen
15.01.2019

Klinikum Landkreis Tuttlingen zukunftsfähig aufstellen

Der Landkreis Tuttlingen sieht sich vor dem Hintergrund der immer schwierigeren Personalgewinnung sowie neuer gesetzlicher Anforderungen gezwungen, die heutige Ausrichtung und Struktur der beiden Standorte des Klinikums Landkreis Tuttlingen in Tuttlingen und Spaichingen neu zu ordnen, um die stationäre Gesundheitsversorgung nachhaltig und zukunftssicher aufzustellen. Die heute größte Abteilung der Inneren Medizin soll in zwei Fachabteilungen Gastroenterologie und Kardiologie mit jeweils einem eigenen Chefarzt aufgeteilt und am Standort Tuttlingen konzentriert werden. Damit verbunden ist auch eine Verlagerung der Altersmedizin von Spaichingen nach Tuttlingen.

Die Überlegungen sehen des Weiteren vor, den Standort Spaichingen zu einem ambulanten Gesundheitszentrum mit Portalfunktion weiterzuentwickeln, um vor allem für Spaichingen und den nördlichen Landkreis die ambulante Versorgung zu verbessern. Die Plastische Chirurgie und die Konservative Orthopädie sollen vorerst in Spaichingen verbleiben. Der bisherige Notarztstandort in Spaichingen bleibt erhalten, so dass in Verbindung mit dem Medizinischen Versorgungszentrum (MVZ) die Notfallversorgung gewährleistet ist. Betriebsbedingte Kündigungen soll es durch die Strukturveränderungen der Klinikstandorte nicht geben. Über diesen Vorschlag des Aufsichtsrates und der Geschäftsführung wird der Kreistag des Landkreises Tuttlingen am 7. März entscheiden.

In der heutigen Krankenhauslandschaft der Bundesrepublik Deutschland geraten vor allem kleinere Häuser zunehmend unter Druck. Neben der betriebswirtschaftlichen Situation sind es vor allem regulatorische Vorgaben, gestiegene gesetzliche Anforderungen, verschärfte Qualitätsvorgaben und die immer schwieriger werdende Gewinnung von Ärzten und Pflegekräften, mit denen Kliniken zu kämpfen haben und die gerade die kleineren Häuser vor große Probleme stellen.

Zu den neuen gesetzlichen Anforderungen gehört die Neuregelung der gestuften Notfallversorgung zum 1. Januar 2019, die drei Stufen der Notfallstrukturen an Krankenhäusern vorgibt. Während der Standort Tuttlingen die Vorgaben für die Basisnotfallversorgung erfüllt, ist dies am Standort Spaichingen mangels einer Fachabteilung Chirurgie/Unfallchirurgie sowie einer Intensivstation mit Beatmungsplätzen nicht der Fall. Für den Standort Spaichingen bedeutet dies neben Vergütungsabschlägen die Aberkennung der Notfallversorgung Kraft Gesetz. Bereits in den beiden letzten Jahren ist die Zahl der Notaufnahmepatienten deutlich zurückgegangen. Es ist zu erwarten, dass sich aufgrund der neuen Vorgaben dieser Trend deutlich verstärken wird. Da heute der Großteil der stationär aufgenommenen Patienten aus der Notaufnahme generiert wird, wird dies auch zu einem Rückgang der stationären Fälle führen.

Neben den gesetzlichen Rahmenbedingen besteht die größte Herausforderung darin, ausreichend qualifiziertes Personal, auch für Leitungsfunktionen zu finden. Die Suche nach einer Chefarztnachfolge für den Standort Spaichingen hat dies eindeutig gezeigt. Die neunmonatige Suche und Gespräche durch einen Personaldienstleister mit über 200 potenziellen Kandidaten haben zu der Erkenntnis geführt, dass diese vor allem aufgrund der schwer abschätzbaren Perspektive des kleinen Standorts kein Interesse an der Chefarztposition zeigen.

Bereits am 11. Januar 2018 wurden angesichts bevorstehender weiterer Investitionen am Standort Tuttlingen (Sanierung und Erweiterung OPs, Sanierung Intensivstation und Schaffung einer neuen Intermediate Care Station) mit dem Sozialministerium Gespräche darüber geführt, wie das Klinikum nachhaltig aufgestellt werden könnte. Seitens des Landes wurde eine bauliche Perspektivplanung gefordert, in deren Rahmen auch eine mögliche Zusammenführung der stationären Angebote am Standort in Tuttlingen untersucht werden sollte. Die Ergebnisse dieser Perspektivplanung sollten ursprünglich im Herbst 2019 vorgelegt werden, um Anfang 2020 das weitere Vorgehen festzulegen.

Die überraschende Kündigung des designierten Chefarztes und bisherigen Leitenden Oberarztes des Standortes Spaichingen zwingen nun zu einem beschleunigten Vorgehen. Die vorgeschlagene Konzentration der beiden Fachabteilungen der Inneren Medizin und die Verlagerung der Altersmedizin nach Tuttlingen sollen bis spätestens Jahresende 2019 vollzogen werden. Die stationäre internistische Versorgung unter Verantwortung von Chefarzt Dr. Sauer bleibt bis zum Umzug uneingeschränkt bestehen. Räumlich können vorübergehend die für die derzeit stattfindenden Baumaßnahmen in Tuttlingen bereits vorhandenen Modulbauten weiter genutzt werden. Parallel soll der Bau eines neuen Bettenhauses E angegangen werden.

Nach Abstimmung mit dem Sozialministerium sind zukünftig 300 Planbetten am Standort Tuttlingen (bisher an beiden Standorten 324) vorgesehen, womit auch nach Ansicht des Ministeriums die ärztliche Versorgung im Landkreis bedarfsgerecht sichergestellt ist.

Bei allem Bedauern über die Verlagerung der stationären Angebote sieht der Landkreis eine Chance darin, die ambulante Gesundheitsversorgung in Spaichingen durch die zusätzliche Ansiedlung von Fach- und Hausärzte zu stärken, auch im Hinblick auf die immer schwieriger werdende Versorgung mit niedergelassenen Ärzten. Das künftige Nutzungskonzept am Standort Spaichingen soll gemeinsam im engen Dialog mit der Stadt Spaichingen entwickelt werden.