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Pressemitteilungen
02.05.2018

»Örtlicher Beirat« diskutiert strategische Ausrichtung bei der Eingliederung von Langzeitarbeitslosen

Der Landkreis Tuttlingen zählt zu den bundesweit 69 Pionieren in kommunaler Trägerschaft, die seit Januar 2005 die Umsetzung der Hartz-Reformen in Eigenregie und -verantwortung übernommen haben. „Das war eine wegweisende Entscheidung, obwohl im wirtschaftstarken Baden-Württemberg insgesamt elf Stadt- und Landkreise diese Möglichkeit gehabt hätten, haben sich nur fünf Landkreise für diese Option entschieden“, so Landrat Stefan Bär. „Der Landkreis Tuttlingen war darüber hinaus einer der ersten kommunalen Träger, der einen Beirat zur Umsetzung des Hartz IV gegründet hat“, ergänzt Sozialdezernent Bernd Mager. So fand die erste Sitzung des sogenannten SGB II-Beirats bereits vor genau 12 Jahren im April 2006 statt.

Seither unterstützen und begleiten Vertreter aus der Freien Wohlfahrtspflege, Diakonische Bezirksstelle Tuttlingen, Caritas Schwarzwald Alb Donau, Bündnis für Arbeit, Gewerkschaft, IHK und Kreishandwerkerschaft die Integration von Langzeitarbeitslosen durch das Kommunale Jobcenter des Landkreises in regelmäßigen Sitzungen im Fachaustausch. „Diese Kooperation ist für die Arbeit des Kommunalen Jobcenters sehr wichtig, da über die Entwicklungen im Hartz IV berichtet und über mögliche arbeitsmarktpolitische Ausrichtungen auf Landkreisebene und damit regional beraten wird“, so der Vorsitzende des SGB II-Beirats und Sozialamtsleiter Hermann Ristau.

„Es ist wichtig und sinnvoll, die Vorschläge und Ideen zur Bekämpfung von Langzeitarbeitslosigkeit in die Öffentlichkeit zu tragen“, betont Landrat Stefan Bär und ergänzt: „Nur mit einer guten und funktionierenden Zusammenarbeit von Trägern der freien Wohlfahrt und unseren starken Betrieben in Wirtschaft und Handwerk können wir es im Kommunalen Jobcenter schaffen, Menschen aus der Langzeitarbeitslosigkeit herauszuholen.“ Der Landrat erhofft sich auch wichtige Impulse für die nicht einfache Integration der bleibeberechtigten Flüchtlinge in den Arbeitsmarkt und stellt fest: „Wir haben praktisch Vollbeschäftigung in unserem Landkreis und Arbeitskräfte werden gesucht. Darin sehe ich eine Chance für die Integration von geflüchteten Menschen.“

Joachim Schwarzfischer, Leiter des Kommunalen Jobcenters, schätzt die Situation ähnlich ein und erklärt: „Bei einer Arbeitslosenquote von derzeit 2,6 % stehen wir landes- und bundesweit sehr gut da. Das zeigt sich auch in der Quote der Langzeitarbeitslosen von nur 1,2 %. Auch weniger Qualifizierte finden eine Beschäftigung, obwohl durch die Globalisierung gerade in unserer exportorientierten Wirtschaft einfache Tätigkeiten leider zunehmend wegfallen.“

Genau dieser Punkt war das zentrale Thema der letzten Sitzung des SGB II-Beirats. Er hat sich zum Ziel gesetzt, sich für die Rückholung von Einfachstarbeitsplätzen mit Helfertätigkeiten aus dem Ausland einzusetzen. Wenn örtliche Firmen unter bestimmten Anreizsituationen bereit sind, Niedriglohnbeschäftigung wieder in Deutschland anzusiedeln, kann dies eine Chance für hiesige Langzeitarbeitslose mitbringen.

Dieser Ansatz greift auch die bundespolitische Diskussion der Schaffung eines sozialen Arbeitsmarktes auf. „ Wir sind sehr froh, dass sich hier beim Bund etwas bewegt“, unterstreicht Landrat Bär. Vom Landkreis gingen seit Jahren Bemühungen aus, eine Sozialfirma einrichten zu können, was nach den bundesrechtlichen Bestimmungen aber bisher nicht möglich war. „Wenn sich der Bund hier für die Zukunft öffnen würde, dann wäre das ein großer Schritt in Richtung sozialverträglicher Arbeitsmarkt“, so der Landrat.

Die Fachleute auf dem Landratsamt Tuttlingen sehen darin auch die große Chance, Menschen mit Behinderung Perspektiven auf eine Beschäftigung zu eröffnen: „Das Thema Inklusion von Menschen mit den verschiedensten Beeinträchtigungen muss auch für die Integration in den Arbeitsmarkt an Bedeutung gewinnen“, fordert Landrat Bär. Deshalb unterstützt er die Zielrichtung des Beirats, die Idee der Sozialfirma in die Kammern von Industrie, Handel und Handwerk zu tragen. Dazu soll über die Mitglieder des Beirats ein Zugang in die entsprechenden Gremien geschaffen werden.

 „Der Schlüssel zum Erfolg bei der Bekämpfung der Arbeitslosigkeit der von uns betreuten Menschen liegt bei unserer Wirtschaft. Durch gezielte Informationen und Begleitung können wir Bewegung in das Thema sozialer Arbeitsmarkt bringen und an die Erfolge des „Tuttlinger Beschäftigungsmodells“ anknüpfen können“, ist Landrat Stefan Bär überzeugt.