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Pressemitteilungen
05.10.2017

Aus der Sitzung des Verwaltungs- und Finanzausschusses

In der Sitzung des Ausschusses für Verwaltung und Finanzen am 4. Oktober 2017 wurde über den Erweiterungsbau des Landratsamtes Tuttlingen, im Besonderen über die Genehmigung der Vorentwurfsplanung und die vorgezogene Kostenberechnung sowie die Baufreigabe vorberaten. Darüber hinaus hat der Ausschuss die Beteiligung des Landkreises am Projekt „Kulturlandschaft des Jahres 2018 - Obere Donau“ abgelehnt.

Bereits im Mai 2015 hat sich der Kreistag für eine Zusammenführung von sechs Außenstellen sowie der Schnellbauten in einem Erweiterungsbau der Landkreisverwaltung am Standort Bahnhofstraße 100 ausgesprochen. Für eine Optimierung der Flächen hat der Kreistag neue, moderne und zukunftsorientierte Bürokonzepte beschlossen. Dazu gehört auch der Ausbau der Digitalisierung im Landratsamt, durch die ein effizientes Flächenkonzept ermöglicht wird.

Als Sieger des Wettbewerbs war das Architektenbüro Beer Bembé Dellinger, Greifenberg, hervorgegangen. Nach Meinung sowohl des Preisgerichts als auch des Kreistags hebt sich dieser Entwurf deutlich von allen anderen Entwürfen ab, sowohl im Hinblick auf die Funktionalität als auch auf die städtebauliche Integration bzw. das äußere Erscheinungsbild des Erweiterungsbaus. Einstimmig wurde das Architektenbüro Beer Bembé Dellinger, Greifenberg vom Kreistag mit der Vorentwurfsplanung beauftragt, allerdings mit der Vorgabe einer Reduzierung der Flächen.

Seitdem hat das Architekturbüro gemeinsam mit der Verwaltung und den beauftragten Fachplanern am Flächenkonzept des Wettbewerbsentwurfs gearbeitet. Die Bruttogeschossfläche konnte auf 9.925 m² reduziert werden, wobei die Vorgabe des Kreistags von 16 m² pro Arbeitsplatz eingehalten wurde, was rund 20% weniger als im Bestandsgebäude entspricht. Der Entwurf basiert auf offenen Büroformen mit Team- und Kombibüros sowie einem Kommunikations- und Service-Bereich in der Mittelzone. Im Raumkonzept enthalten sind ebenfalls eine Kantine für die Mitarbeiter sowie ein Konferenzbereich mit unterschiedlich großen Besprechungs- und Veranstaltungsräumen.

Der jetzt vorliegende Entwurf erfüllt alle Vorgaben des Kreistags und entspricht dem Klimaschutzkonzept des Landkreises vollumfänglich. Als Heizsystem ist eine Betonkernaktivierung zusammen mit einer Wärmepumpe in Verbindung mit der Heizzentrale im Bestandsgebäude vorgesehen. Eine mögliche Stromerzeugung über eine Photovoltaikanlage auf dem Dach des Bestandsgebäudes wird derzeit noch geprüft. Die Warmwasseraufbereitung erfolgt dezentral.

Die Architekten und Fachplaner wurden aufgefordert, zusammen mit dem Vorentwurf nicht nur eine grobe Kostenschätzung anhand von Richtwerten zu erstellen, sondern schon jetzt eine vorgezogene Kostenberechnung vorzulegen. Diese hat Gesamtkosten in Höhe von 29.923.704 Euro ergeben. In der vorgezogenen Kostenberechnung sind keine Risikozuschläge und Kostensteigerungen (Preise, Marktsituation, Dollarkurs) enthalten. Hinzu kommen Bauherrenkosten in Höhe von 578.300 Euro.

Die Verwaltung hat aus Gründen der Wirtschaftlichkeit vorgeschlagen, auf eine Vollunterkellerung mit 30 Pkw-Stellplätzen zu verzichten, die Kosten in Höhe von etwa 800.000 Euro zusätzlich bedeuten würde. Stattdessen sollen zusätzliche Parkmöglichkeiten bei der Kreissporthalle geschaffen werden. In der Diskussion stellt die Verwaltung klar, dass eine Vollunterkellerung zwar teurer aber letztlich auf lange Sicht betrachtet auch wegen der damit verbundenen funktionalen Vorteile eigentlich die bessere Lösung und damit wünschenswert sei.

Der Ausschuss für Verwaltung und Finanzen empfahl dem Kreistag einstimmig der vorgelegten Vorentwurfsplanung und der vorgezogenen Kostenberechnung mit 29.923.704 Euro (ohne Bauherrenkosten, evtl. Mehrausstattung und Parkierung) zuzustimmen und die Baufreigabe zum Erweiterungsbau zu erteilen. Ebenso empfahl der Ausschuss mehrheitlich im Untergeschoß des Erweiterungsbaus eine Vollunterkellerung vorzusehen. Einstimmig empfahl der Ausschuss an der Kreissporthalle insgesamt 100 zusätzliche Stellplätze anzulegen. Mehrheitlich sprach sich der Ausschuss dafür aus, dass die Frage eines Parkdecks auf dem Nachbargrundstück Bahnhofstraße 80 nochmals zur Beratung in die Fraktionen verwiesen wird. Der Ausschuss empfahl dem Kreistag einstimmig, dass die Verwaltung beauftragt werden soll, die Umsetzbarkeit bzw. Wirtschaftlichkeit der Optionen Photovoltaikanlage und abiate Lüftung zu prüfen und dem Kreistag bei der Beratung über die Entwurfsplanung mit Kostenberechnung zur Entscheidung vorzulegen. Die Gestaltungsvorschläge Glasgeländer im Atrium, Verkleidung der Technik auf dem Dach sowie die optionale Netzersatzanlage für die Gesamtliegenschaft sollen nicht umgesetzt werden. Der Ausschuss empfahl einstimmig die Architekten und Fachplaner zu beauftragen, auf der Grundlage der Vorentwurfsplanung die Entwurfsplanung mit Kostenberechnung zu erstellen.

Seit den Jahren 2009/2010 kürt der Schwäbische Heimatbund im Zweijahresrhythmus eine Kulturlandschaft des Jahres. Ziel der Projektreihe ist, die Besonderheiten sowie landschaftliche und kulturelle Eigenart der jeweiligen Region hervorzuheben. Als Kulturlandschaft des Jahres 2018 hatte der Schwäbische Heimatbund das Gebiet „Obere Donau“ vorgeschlagen. Den Kern des vorgeschlagenen Projektes bildet ein umfangreiches Veranstaltungsprogramm mit Exkursionen, Vorträgen und Tagungen in den Themenbereichen Geschichte, Geologie, Landschaft, Natur, Naherholung und Denkmalschutz. Die Kosten für das Projekt „Kulturlandschaft des Jahres 2018“ wurden aufgrund der bisherigen Erfahrungen auf rund 30.000 Euro definiert. Die beiden Landkreise Sigmaringen und Tuttlingen versprechen sich vom Projekt einerseits einen Imagegewinn für die Region insgesamt und andererseits einen Mehrwert für den Bereich der Naherholung und des Tourismus in der Region. Zudem soll das Projekt die Anstrengungen der beiden Landkreise für die Belange des Naturparks Obere Donau in einer breiten Öffentlichkeit unterstreichen. In der Diskussion sah eine Mehrheit der Mitglieder keine Notwendigkeit für eine Beteiligung des Landkreises, zumal der Kreis sich bei dem bisher rein kommunal getragenen Landschaftspark Junge Donau auch zurückhalte. Der Ausschuss für Verwaltung und Finanzen lehnte die Beteiligung des Landkreises Tuttlingen am Projekt „Kulturlandschaft des Jahres 2018“ mehrheitlich ab.